Freitag, 24. April 2015

Frisch gelesene Bücher: Die Welt ohne uns

Nun werde ich den regelmäßigen Leser dieses Blogs nicht sonderlich mit dem Geständnis überraschen, dass mich der Kitzel der Vorstellung eines unvermittelten Neustarts unserer Welt doch mehr als üblich anregt. Gespräche, Überlegungen hierüber - Filme und Bücher zum Thema - in den letzten Jahren ein auffallend treuer Begleiter meines geistigen Wachzustands. Sicher war einem immer irgendwie bewusst, dass das Auseinanderbrechen der Zivilisation, so sanft dieses auch immer ausfallen möge, mit enormen Problemen verbunden wäre. Und wenn ich hier Probleme meine, dann gewaltige Probleme, Probleme, die auf den ersten Blick noch gar nicht zu erkennen wären, so riesig wären sie. 



Und von diesen Problemen handelt das Buch von Alan Weisman. Und das ist schwere Kost. Wahrhaftig schwere Kost. Das ewige Gedankenspiel, "was wäre wenn..." nun endlich in wissenschaftlich, durchdacht und ausformuliert. Und so schälen sich all die Hindernisse heraus, die der Romantik eines vernünftigen Neuanfangs nach dem Zusammenbruch im Wege stehen.

Auch wenn Weisman in anschaulichen Spaziergängen durch Regionen, die vom Mensch verlassen und schnell von der Natur wieder übernommen wurden. Der erste Blick täuscht. Nicht allein die offensichtliche Problematik von 441 Atomkraftwerken und ihren zänkischen Nebenprodukten nervt hier beständig. Auch andere störende Erinnerungen an den Menschen wie das Blei im Boden (nach ca. 35000 Jahren weg) oder der CO2-Gehalt der Luft (ca. 100000 Jahre) sowie diese enorm resistenten Kunsstoffverbindungen machen die Sache nicht einfacher. Dergleichen gibt es noch etliche ärgerliche Hindernisse.

Schlussendlich aber doch ein überaus lehrreiches Buch was einem vielleicht ein wenig den Kopf wäscht von all dem naturromantischen Eskapismus. Ein blitzgescheites Buch, welches knapp, kühl und mit Witz aufzeigt, welche Dimensionen das Eingreifen des Menschen in das Ökosystem Erde mittlerweile angenommen hat. Und so banal die daraus gewonnene Erkenntnis anmuten mag: Es gibt mal wieder keine Abkürzung in eine bessere Welt, sondern offensichtlich nur den allseits bekannten Weg. Den steinigen und mühsamen...

Sonntag, 19. April 2015

RB 14: Apocalypse Nauen

Nauen. Diese Endstation löste nicht direkt Jubelstimmung in mir aus. Doch die Erkundung der erweiterten Peripherie verlangt auch mal in die saure Birne zu beißen. Und so stiegen wir erneut in die "Hamsterbacke" und waren eine knappe Dreiviertelstunde später in der unbesungenen Havellandmetropole.

Die erste herbe Enttäuschung - der Bahnhof! Das ist für einen Endbahnhof und Infrastrukturzentrale regionalen Anspruchs einfach nicht tragbar. Hier spürt man eher ein "im Sande verlaufen" als ein ankommen im eisenbahnigen Sinne.

Nauen Hauptbahnhof. Ankommen und Abfahren in seiner räudigsten Eleganz.

Doch wir pfeifen auf den ersten Eindruck und schlendern unverdrossen hinein in die Altstadt. Losgelöste Unbedeutung schwallt uns entgegen, trostlose Stille bis die Ohren bluten - ein lupenreines Mahnmal für den heroischen Kampf, auch dort menschliche Siedlungen zu errichten, wo es scheinbar völlig aussichtslos ist.

Niedergedrücktes Fachwerk mit schlurfenden Charme.

Unser Stadtrundgang ist trotz einiger wiederholender Schleifen schnell beendet. Die Funkstadt Nauen weiß zwar mit Reizlosigkeit wie kaum eine andere Stadt vor ihr zu bezirzen, nichtstestotrotz genießen wir den Sonnensonntag in Brandenburg, fanden gar eine geöffnete Lokalität und ließen uns gänzlich auf Nauen ein (was auch immer das heißen möge...).

Nauener Bockwursteis - eine von vielen Spezialitäten Nauens, die abseits der Stadtgrenzen nahezu unbekannt sind.


Dennoch konnten wir uns lösen und waren einmal mehr begeistert vom Halbstundentakt mit dem Nauen an Berlin angeschlossen ist.

Liebe, Glaube, Hoffnung. Eindrucksvoll nachgestellt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Leitspruch schlechthin im Havelland.
Und so sprangen wir geschwind in den RB10 (Nauen genießt tatsächlich den Luxus durch 2 Regionalbahnen abgeschlossen zu sein!) und düsten zurück in die Stadt.

Das nächste Ziel lautet Templin. Der Zeitpunkt ist noch nicht klar, da zuvor noch die andere große Zugreise bewerkstelligt sein will. Ich werde hier aber frühzeitig bekanntgeben, wann der RB12 geentert wird.

Donnerstag, 16. April 2015

Frisch gelesene Bücher: Weisse Wölfe

Ein Buch zum zornig an die Wand werfen, ein Buch was an jede Schule gehört! Wie so vieles aus dem Hause correctiv absolut empfehlenswert wenn man mal wieder so richtig qualitativ hochwertig verzweifeln will.


"Weisse Wölfe" ist ein düstere Betrachtung dessen was sich unmittelbar und scheinbar unbedrängt im rechten Untergrund der letzten Jahre entwickelt. Und auch wenn man hiernach gleichermaßen kopfschüttelnd wie kotzend die Krone der Schöpfung beiseite schieben möchte, so ist es dabei beeindruckend wie hervorragend sich das Genre der graphic novel doch eignet, um komplexe Probleme darzustellen und möglicherweise hierdurch mehr Interesse herauszukitzeln als mit einem weiteren, trockenen Sachbuch. Und auch auf die Gefahr hin weitere Schläge dieser Art herauszufordern, hoffe ich auf mehr. Viel mehr Paukenschläge von diesem Format!

Mittwoch, 15. April 2015

Frisch gelesene Bücher: Mach das!

Es ist unbestreitbar eines der angesagtesten Modethemen - Ernährung! Und wer aktuell Ernährung sagt, muss auch ein zackiges "gesunde" vorschieben. Es gibt noch ein ganzes Arsenal an "richtig-leben-ertrotzenden" Kampfbegriffe mehr, sprich: mir scheint es manchmal, dass zum Thema Ernährung jeder eine Meinung hat aber keiner Ahnung. Erinnert verdächtig an meine Lieblingswissenschaft die Geschichte.



Angesichts dieser einleitenden Worte mag es wundern, dass ich hier ein Sachbuch zu selbiger Thematik anpreisen möchte. Doch dies allein aus dem Grund, weil es in der schnatternden Schar der Besserwisserbücher auf angenehme Weise herausfällt. Es kommt mit Rationalität daher. Abgesehen von dem selten dämlichen Titel und dem eher zweitrangigen Cover besticht es mit Fakten und einem äußerst angenehmen Layout. Selbstverständlich kann man die Aussagen als eher ernüchternd, vielleicht gar deprimierend auffassen. So ist sie halt bisweilen, die Wissenschaft. Aber sie erhellt so manches, räumt auf in der mythenmottigen Kommode der Ernährungsweisheiten und macht den Blick frei auf das wirklich wesentliche. Die Konsequenz der Energiebilanz!

Sonntag, 12. April 2015

RB 19: Senftenberg



Senftenberg - welch ein würdevoller Start für eine derart ambitionierte Reise. Selbstverständlich wollte der Infrastruktur-Absteiger der Herzen die Abreise mit den üblichen Kniffen verzögern. Nix ging mehr auf der S-Bahn-Magistrale und so trufen später als angekündigt am Hauptbahnhof ein. Erste enervierende Regelauslegungen folgten: Sollte man den Zug nehmen, den man eigentlich genommen hätte wenn man pünktlich gewesen wäre, bzw. dessen Nachfolgerzug oder einfach die Zeit als gegeben hinnehmen und den Zug nehmen, der sich daraus ergeben würde. Die letzte Variante gewann.

Stadtzentrum verträumt mit Jugend und umsäumt von allgegenwärtigen Tafelbauten.


Die guten zwei Stunden Fahrt im geschätzten Talent 2 "Hamsterbacke" führten über die Südtangente heraus aus Berlin um sodann Kurs auf den Spreewald zu nehmen. Ab Lübbenau führt die Route auf eingleisiger Strecke hinunter nach Senftenberg. Somit für den Vielfahrer gen Dresden oder Polen eine interessante Ergänzung des Bahnstreckenwissens.

Senftenberg. Es mag erstaunlich anmuten, dass ich noch niemals hier war. Schließlich ist der Senftenberger See für den Dresdner so etwas wie die Mecklenburger Seenplatte für den Berliner. Oft ergingen Einladungen und Möglichkeiten in meiner Dresdner Zeit an mich, hier einen sonnigen Tag zu verbringen. Docgh irgendwie hat es nie hingehauen mit Senftenberg und mir. Bis jetzt.

Zunächst informierte ich mich bei Tante Wikipedia eingehend über mein Reiseziel. Ausführlichkeit und Informationsgehalt des Artikel ließen nichts zu wünschen übrig. Wir erfahren, dass hier bereits im Zeitraum zwischen 1896-1913 die Straßen gepflastert wurden und man sich erst am 21. 1.2002 auf ein Wappen für die Stadt einigen konnte. Das Resultat weiß dagegen auch zu überzeugen. Die Namensentwicklung ist dagegen eine ganz eigene. Ist der deutsche Name abstammend von "sanft am Berg" steht der sorbische Name "Zly Komorow" eindeutig für "Mieses Mückennest". Ein weiterer Beweis für die Umsicht der Indigenen. Berge?! Mal im Ernst?!


Tagebau mit Perspektive. Der Senftenberger See.

Die ungeschlagene Attraktion Senftenbergs ist mit Sicherheit der angegliederte See- Dieser ist mit 1300 ha einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Nachvollziehbar warum es die Sachsen hierher zieht. Andererseits war ich, als ich hier so entlangflanierte irgendwie unetschlossen, wohin ich Senftenberg hin sortieren sollte. Die Größe Brandeburgs wurde mir einmal mehr klar. War ich doch noch vor einer Woche in Angermünde und nun stand ich hier und spürte zart aber beharrlich den Odem Sachsens herüberwehen.

Eine Stadt mit Tradition und dennoch ohne Ziel - gelebte Lässigkeit in der Lausitz.


Die klare Provinzialität preußischer Güte, gepaart mit sächsischen Einflüssen, eingebettet in die Ziellosigkeit des sumpfigen Spreewalds - ein bizarrer Mix der mich mehr beeindruckt hat als ich erwartet habe. Das macht eindeutig Lust auf mehr.

Apropos mehr: In zähen Verhandlungen kamen wir zum weiteren Vorgehen dann doch zu einem einmütigen Beschluss. Keine Uhrzeigermethoden sondern schlichtes Abzählen bringt uns zum nächsten Zug. Dies war RB19. Wir zählen zunächst runter und das führt uns zu RB 14. Und dieser fährt nach Nauen.

Sonntag, 19.04. 11:57, Berlin Hauptbahnhof, Gleis 14


Mittwoch, 8. April 2015

Zurück zum Ende!

Vor undenkbar langer Zeit gebar ich eine Idee, die Idee sämtliche Endbahnhöfe der S-Bahn mit Aufmerksamkeit zu beehren. Es war dies die Geburtsstunde dieses Blogs und seither habe ich hier so manches geschrieben was wahrlich nur am Rande peripher anmuten mag.



Daher nun der verwegene Vorschlag eines neuerlichen Experiments. Denn nachdem Straßenbahn, U-Bahn und Fähren nicht zu überzeugen wussten, bleibt nur noch ein Fortbewegungsmittel mit Stil - die Bahn. Die roten Rösser der Schienentrasse! Lasst uns einfach mal alle Regionalbahnenden abfahren. Überaus entzückende und reizvolle Ziele warten auf uns. Namen von Siedlungen die so exotisch wie familiär anmuten. Ob Wustermark, Nauen oder Templin - das Abenteuer kann so brav und unscheinbar daherkommen.

Auf zu neuen Lichtern - die Peripherie kennt keine Grenzen!


Die Regel lautet folgendermaßen: Der erste RB von Berlin Hauptbahnhof entscheidet. In diesem Zug legen wir sodann fest ob wir fortan gegen oder mit dem Uhrzeigersinn die Endbahnhöfe abklappern. Das Menü ist hier einsehbar.

Berlin Hauptbahnhof 11.4. - 12 Uhr

Sonntag, 5. April 2015

Glühen für Bier


Angekommen im Land der irrwitzigen Bierfreunde - Polen. Links im Bild: Eine Kreation mit Nelken, Honig und Ingwer, rechts: auch mit Honig und einem kecken Eigelb untergemischt. Schließlich ist ja Ostern! Und das ganze natürlich brühend heiß. Wahrlich, ein interessanter Angriff auf die lauwarme Cervisia der Anderen.

Samstag, 4. April 2015

Frisch gelesene Bücher: Kill Decision

Das Erstlingswerk von Daniel Suarez prangt hier weiterhin links in der Spalte der geprüften Leseempfehlungen, und das nicht ohne Grund. Wie ich hier vor gut dreieinhalb Jahren darlegte, war ich hier "endlich mal wieder rundum gefesselt von einem Buch und auch sonst frei von jeglicher Mäkelei." So war ich also mehr als einem neuen Buch von Suarez gegenüber mehr als positiv voreingenommen. Doch die Voranalyse worum es sich im neuen Buch handeln würde, führte nicht direkt zum hastigen Bücherkauf. Das Thema Drohnen, obzwar ein dringend drängendes unserer Zeit, hat mich nie sonderlich gereizt, und so, blieb auch mein Zugriff auf "Kill Decision" aus.



Denn um diese Problematik dreht sich der neue 500-Seiten-Wälzer von Daniel Suarez. Um es kurz zu machen: Er bleibt weiterhin einer meiner Fvoriten. Wie vermutet kann dieses Buch nicht an die beiden, vorweg erwähnten Knaller anknüpfen. Allzu oft hat man hier das Gefühl, dass mit leichten Schielen auf den Hollywoodeffekt abgezielt wird. Dennoch steht Suarez beständig für eine selten intelligente Analyse der Technologie unserer Zeit. Die Buchrückenklassifizierung als "Jules Verne der Gegenwart" ist zur Abwechslung mal gar nicht so dumm. Ich empfehle dieses Buch und freue mich unumwunden auf sein neuestes Werk, denn dessen Thema reizt mich dann wirklich mal wieder enorm.

Freitag, 3. April 2015

Schlafen

Gemäß den Verpflichtungen, die wir Contentschaffenden mit dem 50-Jahrplan zur Planung eines Internets der Banalitäten und Binsen, eingegangen sind, erkläre ich hiermit feierlich: Mann, ist Schlafen eine großartige Sache. Ausschlafen - Wellness des kleinen Mannes!

Donnerstag, 2. April 2015

Erziehungslager für Papageienskeptiker

Nein, ein stille Beziehung war es nie, was sich zwischen Sancho und Aragon entwickelte. Erste spinnerte Theorien zu diesem Verhältnis finden sich in meinem, immer noch unentdeckten Standardwerkzur Papagei-Hund-Beziehungskultur. War es glühende, von Missverständnissen geprenkelte Liebe? Tiefsitzende Angst, gepaart mit unstillbaren Hass? Oder einfach das übliche neckische Treiben der Natur in seiner altbekannten, sprunghaften Art? Eines war gewiss: Es war laut! Nervend, und auch immer ein wenig gefährlich. Für wen auch immer.



Dieser Zustand konnte nicht länger hingenommen werden. Schließlich ist das Reich des bunten Dominators ein zu wichtiger Bestandteil meiner comfort zone als das ich hier klein beigeben würde. Daher wurden weder Kosten noch Mühen gespart und im hiesigen Ramschladen dieses Schmuckstück erworben. Noch handelt es sich um entspannte Aufwärmübungen. Richtig wild wird es wohl erst wenn wir die Batterien einlegen...