Samstag, 25. Februar 2012

Hoch die internationale Konnektivität

So, Kollegen, heute sollte es keine Ausreden geben. Bestes Wetter lockt hinaus. Ich geh dann mal los. Wir sehen uns! Damit wir nicht eines Tages nur noch sowas sehen dürfen!

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Mittwoch, 22. Februar 2012

Was tun? Was tun!

Die gegenwärtige Situation, dass die Angriffe auf unser Internet immer zahlreicher und unübersichtlicher werden, mag den einen oder anderen verwirren oder schlicht ermüden. Es ist hier eine Akronymhölle im Entstehen, die so scheint es, mittels Unübersichtlichkeit einschläfern will um dann in aller Ruhe zuzuschlagen. Schließlich droht nicht allein mehr ACTA sondern mit IPRED steht schon die nächste nicht minder gefährliche Attacke in den Startlöchern (bei der Gelegenheit sollte daran erinnert werden, dass auch SOPA und PIPA noch nicht endgültig vom Tisch sind!).

Verwirrung und Resignation mag sich angesichts der daraus folgenden unüberschaubaren Anzahl von Petitionen, Wikis und sonstigen Aktivistenseiten breitmachen. Da drängt sich der Gedanke auf, dass die gerade im Entstehen begriffene Protestbewegung durch solcherlei Desinformationskniffe unterwühlt werden soll. Deshalb heißt es nun mehr denn je: Augen auf im Datenkrakensumpf! So notwendig es auch ist, und ich werde an dieser Stelle nicht aufhören, euch auf die aktuelle Gefahrenlage hinzuweisen, kann ich mir vorstellen, dass man vom ständigen Petitionsunterzeichnen ein wenig müde werden kann.

Diesen unangemessenen Resignationsanflügen sollte man lieber schnell und unbarmherzig begegnen. Bspw. mit einer netten, erfrischenden Februardemonstration. Gelegenheiten gibt es am kommenden Sonnabend ausreichend. So zurückgezogen kann man gar nicht leben, dass man nicht problemlos eine Horde Gleichgesinnter treffen könnte. Ich meine sogar Greifswald ist dabei! Greifswald!!! Ich bitte euch! Wenn die dort oben in der Boddenödnis aufstehen, dann muss es doch augenscheinlich um was gehen!

Eine andere reizvolle Idee wäre es aber auch, die Initiative zu übernehmen und sich an einen Gegenentwurf zu ACTA zu machen. Denn das hier etwas geschehen muss, darin sind wir uns ja wohl einig. Es liegt hier einiges im Argen – die Handhabungen hinsichtlich Urheber- und Patentrechten gehören definitiv an die Bedingungen der Netzkultur angepasst. Eine Reform ist überfällig. Warum also sich ständig irgendeinen dummdreisten Lobbyistenquatsch um die Ohren klatschen lassen, den dann eventuell die üblichen ahnungslosen Internetausdrucker in den Parlamenten durchwinken. Einfach mal die ewig kopfschüttelnde Protesthaltung ein wenig schöpferisch tätig werden lassen und sich an einem der zwei Projekte beteiligen, welche gegenwärtig versuchen, einen Gesetz welches in der Tat angemessen und zeitgemäß ist, zu schaffen.

Da wäre einerseits die nordamerikanische Variante Free Internet Act (FIA); auf das hier entstehende Dokument (Passwort: redditcat) kann jeder Einfluss nehmen und frei mitwirken. Auch die deutsche Version contrACTA ist noch längst nicht fertig, auch wenn sie vielleicht auf den ersten Blick einen solchen Eindruck erweckt. Denn sehr schnell merkt man, sobald man sich mal ein wenig in die Materie versenkt, wie schwierig und heikel hier so manche Detailfrage oder auch manche Grundfrage ist. Was verdammt nochmal bedeutet diese “Demokratie” für mich, euch, uns denn überhaupt? Wie soll ein solches Vorhaben in irgendeiner Weise fair und gerecht an die verschiedenen Länderrechte angepasst und eingefügt werden. Fragen über Fragen. Doch ich denke, es ist ein lohnenswertes Unterfangen. Denn das Grundproblem der meisten Protestbewegungen war, dass sie mehr Energie auf ihr Feindbild verschwendet haben als den aus dieser Abwehrhaltung folgen sollenden Gegenentwurf.

Ach, und als Auflockerung wie als Erläuterung rate ich zu diesem gerade erschienenen Comic, der die Zwangslage in der wir stecken und die Notwendigkeit einer Veränderung der Gesetzeslage exzellent illustriert. Nein, ihr sollt nicht nur auf die Straße gehen damit ihr zeitnah und legal die Fernsehserie eures Herzens sehen könnt. Es geht weiterhin um sehr viel mehr. Aber dies ist zweifellos auch einer der zahlreichen Punkte…

+++ Nach der Umsetzung von ACTA oder IPRED hättet ihr diesen Artikel nicht lesen können, weil er aufgrund einer Vielzahl von Urheberrechtsverletzungen nicht hätte veröffentlicht werden können. Noch könnt ihr etwas dagegen tun. Werdet aktiv und verteidigt unser Internet! +++


Unterschreibt die Petition (gegen ACTA), die Petition (gegen IPRED), demonstriert, schafft Öffentlichkeit, arbeitet an ACTA-Gegenentwürfen wie FIA oder contrACTA mit oder schaut was ihr sonst tun könnt.


Du weißt immer noch nicht wovon ich rede? Bist einmal die Woche im Internet und denkst, dass dich das alles nichts angeht? Dann schau mal hier, hier oder hier(Gesetzesvorlage auf deutsch)!

Freitag, 17. Februar 2012

Frisch gelesene Bücher: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Die Schwierigkeit gemeinsam über jüngst oder unmittelbar Vergangenes zu resümieren sollte jedem bekannt sein, der einmal versucht hat mit guten Freunden über eine Jahre zurückliegende Party oder einen zusammen unternommenen Urlaub zu sprechen. Erinnerungen differieren oftmals, werden unterschiedlich bewertet oder eingeordnet, ja sind manchmal sogar gänzlich verschwunden. Wenn wir nun aber nicht so etwas Harmloses wie Urlaube oder Feten zum Thema haben, sondern so etwas wie eine historische Episode, an der nachweislich alle Disputanten teilhatten, und noch dazu eventuell Menschen mitdiskutieren, die wir beim besten Willen nicht zu unseren Freunden rechnen würden, dann wird es zumeist heikel.

In diesem Fall meine ich die DDR. Jenes kleine Land, dass vierzig Jahre realexistierte und nun, lange nach seinem Zusammenbruch möglicherweise realexistierender als zu Lebzeiten zu zahlreichen Biographien gehört. Diskussionen über die Bedeutung und Rolle die dieses kleine Land in der Geschichte spielt werden zuvorderst meist von der Kleinigkeit gebremst, dass es, so man den zahlreichen Diskussionen, denen ich im Laufe der Jahre beigewohnt habe, etliche DDRen gegeben haben musste. Abgesehen davon dass Alter, Wohnort und gesellschaftliche Position zwangsläufig zu verschiedenen, durchaus realen Wahrnehmungen einer historischen Episode führen, kommt hier meines Erachtens das ewige Problem der zeitgenössischen Beurteilung ins Spiel.

Denn über Fragen wie bspw. die Bedeutung der Sozialistengesetze Bismarcks oder den Niedergang des Römischen Reichs ereifern sich in der Regel ausschließlich Historiker, Fragen der jüngeren Geschichte, welche noch selbsterlebt sind, beziehen zwangsläufig alle mit ein und beleben eine solche Diskussion einerseits, machen sie aber eben andererseits auch erheblich emotionaler und damit zwangsläufig wirrer. Das soll nun aber nicht heißen, dass ich Diskussionen über die DDR aus dem Weg gehe, doch ich genieße sie seit längerem mit interessierter Vorsicht.

ruge

Daher war ich umso neugieriger als mir vor wenigen Tagen meine dienstälteste Feundin ein Buch mit den Worten überreichte, “wenn du mich verstehen willst, musst du das lesen.” Da ich jenem Menschen in den meisten Fragen des “besseren Deutschlands” grundsätzlich vertraue, griff ich selbstredend beherzt zu. Auch wenn mir angesichts dieser Ankündigung ein wenig mulmig war. Denn was gibt es in dieser Welt Schlimmeres als mit dem verehrten Buch eines verehrten Menschen Probleme zu haben? Hinzu kam noch, dass sämtliche weiteren Prädikate dieses Buchs nicht unbedingt geeignet waren meine sofort präsenten Vorbehalte zu aktivieren. Neue deutsche Gegenwartsliteratur? Und dann auch noch über die DDR? Ein Buch, bei dem die Verleger es tatsächlich für werbewirksam hielten, auf dem Buchrücken mit einer Beurteilung der ZEIT hausieren zu gehen, die da lautete: “Der große DDR-Buddenbrooks-Roman”. Brr… Zudem befand und befindet sich das Buch auch noch auf den aktuellen Bestsellerlisten. Hm, doch schließlich siegte die Neugier.

Doch ich möchte es vorwegnehmen, ich bin überaus angetan von dem Gelesenen. Doch interessanterweise weniger von der Beschreibung der DDR Ruges, obwohl auch diese sehr unprätentiös und charmant ist, viele persönliche und überlieferte Erinnerungen weckte, sondern in meinem Augen ist ihm hier etwas viel Größeres und Wichtigeres gelungen was weit über die Einordnung des kleinen Lands zwischen Elbe und Asien hinausgeht. Mittels einer raffinierten Dramaturgie, in dem er unablässig zwischen den Perspektiven der involvierten Personen jener Vier-Generationen-Chronik springt, schafft er es dem unvoreingenommenen Leser zu vermitteln, dass kein Mensch von Grund auf schlecht oder gemein ist, dass es aus seiner Perspektive heraus stets Sinn ergibt und sein Handeln nachvollziehbar ist. Hierdurch wird ein Blick auf zwischenmenschliche Probleme, Missverständnisse und sonstige Hader frei, der mich kurz innehalten ließ. Um bei den Worten eines der Hauptfiguren des Romans zu bleiben: “Verblüffende Erkenntnis”.

Und auf diese Weise gelingt es Ruge quasi nebenher sich völlig unaufgeregt den Konfliktozean DDR zu nähern und ihn unbefangen einer breiten Leserschaft näherzubringen. Ganz ohne moralisierende Urteilskeulen, pseudooriginelle Mangelwitzchen oder anbiedernde Ostalgieattacken. Beobachtend und das Individuum in all seinen Fehlern wahrnehmend schafft er einen Blick auf die Vergangenheit die seinesgleichen sucht. 

Was fangen wir nun aber mit dieser erhellenden Beobachtung an? Es ist ja schön zu wissen, dass der starrsinnige Apparatschik nicht aus reiner Böswilligkeit seine Mitmenschen piesackt und der erwartungserdrückte Nachfolger nicht aus niedrigster Undankbarkeit alles ausschlägt. Jeder Mensch hat für sein Handeln Gründe und wird durch die Umstände zusätzlich geformt. Aber vielleicht ist es das was ich aus diesem Roman mitnehme: Wenn man nur versucht sich häufiger in Menschen hineinzudenken, könnten wenigstens die kleineren Probleme, jene, die nur auf Missverständnissen beruhen, vermieden werden. Sicher, ein hehres Vorhaben, welches durch die gleichgespülten Wellen des Alltags abgeschliffen wird, aber solange es ab und an solche Bücher gibt, darf man noch hoffen.

Fazit: Ein Buch für alle die sich wieder beherzt und frischen Mutes in Diskussionen über dieses kleine Land einlassen wollen. Und dabei weniger Lust auf Rechtfertigung oder Abrechnung, sondern auf ein schlichtes Zusammenfassen der unzähligen DDRen haben, bevor all dies im Reich der Mythen und Folklore versinkt.

+++ Nach der Umsetzung von ACTA hättet ihr diesen Artikel nicht lesen können, weil er aufgrund einer Vielzahl von Urheberrechtsverletzungen nicht hätte veröffentlicht werden können. Noch könnt ihr etwas dagegen tun. Werdet aktiv und verteidigt unser Internet! +++

Unterschreibt die Petition, demonstriert, schafft Öffentlichkeit oder schaut was ihr sonst tun könnt.

Du weißt immer noch nicht wovon ich rede? Bist einmal die Woche im Internet und denkst, dass dich das alles nichts angeht? Dann schau mal hier, hier oder hier(Gesetzesvorlage auf deutsch)!

Dienstag, 14. Februar 2012

Russische Perspektiven

Dass auch im fernen Russland zaghaft so etwas wie Unmut gegenüber den ewig Herrschenden bemerkbar wird, könnte der eine oder andere von euch schon in den Nachrichten aufgeschnappt haben. Aber das es dann so schnell geht, überrascht ein wenig. Klickt nur kurz unten drauf – keine Sorge, die Bilder sprechen für sich. Russischkenntnisse sind von zweitrangiger Bedeutung.

Selbstverständlich entsprechen diese Aufnahmen nicht ganz den Tatsachen. Genosse Putin hält immer noch wacker alle ihm auferlegten, aufgesammelten und ergatterten Stricke in der Hand um das achso unselbstständige Mütterchen Russland über die holprigen Wege der Geschichte zu geleiten. Nun, so unselbstständig erscheinen sie mir gar nicht mehr, die Russen. Mag sein, dass das eine oder andere Strickchen gelegentlich zurückgefordert werden wird. Zumindest im Bereich der digitalen Medien brauchen sie in der Tat keinerlei Fürsorge mehr. 

Sonntag, 12. Februar 2012

Frisch gelesene Bücher: Kavalier & Clay

Freizeit, Entspannung und dabei eine lebensfeindliche, garstige Frostwelt da draußen – was liegt näher als sich mit einem netten Wälzer die Zeit zu vertreiben?! “Kavalier & Clay” ist von eben jenem Autor den ich hier bereits schon einmal loben erwähnte. Damals war es ein entzückend absurder, alternativhistorischer Krimi, welcher es mir ungemein antat, dieses Mal handelt es sich um eine herrlich bizarre Geschichte von Juden, Comics, New York, dem Golem, Antarktika und vielem mehr.

chabon

Auf 800 Seiten entspinnt Chabon die Geschichte zweier Jungs, die obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, im New York der späten 30er und frühen 40er gewaltig mitmischen im goldenen Zeitalter der Superhelden-Comics. Doch dies ist nur der Rahmen vieler weiterer Rahmenhandlungen, Nebengeschichten, Assoziationen und Abschweifungen. Vieles wird mit lockererer Schreibe hier angeschnitten und thematisiert, so dass sich eine Beschreibung dieses Romans sehr schwer anlässt.

Was mich vielleicht am meisten begeistert hat, war die mitreißende Verteidigung des Eskapismus, sowie die glaubhafte Schilderung desselben. Und in der Tat: Was ist eigentlich einzuwenden gegen eine Kunstform die es vermag einen aus dieser Realität zu herauszubringen?! Oder ist es nicht vielleicht das was ein gutes Buch von einem mittelmäßigen unterscheidet?

Fazit: Wer Lust hat auf eine unglaubliche Reise quer durch die finstersten und schillerndsten Kapitel des vergangenen Jahrhunderts, der sei herzlich zu diesem Unternehmen hier eingeladen.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Amtlich bestätigt: Polenexperte



Urkunde: Auswertung für den Test
Das Polenquiz

1001Du bist ja ein richtiger Experte in Sachen Polen!

Sie haben 14 von 15 Aufgaben richtig beantwortet.
Im Durchschnitt haben die 1158 Surfer, die das Quiz gemacht haben, 10.01 richtige Antworten gegeben.
 
Auch das Quiz Das Polenquiz spielen?

Schön, schön. Das hätte ich ja auch nicht anders erwartet, aber welche Frage hab ich denn nun falsch beantwortet. Hierzu schweigt man sich beharrlich aus. Ich bin verwirrt. Dies aber zumindest als "richtiger Experte"!

Freitag, 3. Februar 2012

Aufgepasst im Datenverkehr

Und nicht nur dort. Dem einen oder anderen mag in den letzten Tagen die Diskussion um jenes ominöse ACTA-Ding begegnet sein. Nun, hierfür sollte man das Aufmerksamkeitsfenster tatsächlich mal etwas öffnen. Wer noch nicht begriffen hat, worum es genau geht, schaut hier mal rein.

Ach und während sich hierzulande der Widerstand gegen diesen gefährlichen Blödsinn erstaunlich träge anfühlt, brodelt es jenseits der Oder schon gewaltig. Wirklich erstaunlich. Man spricht von den größten Massendemonstrationen seit Solidarność. So sehr ich dies begrüße, bin ich dann doch ein wenig überrascht vom Ausmaß des Volkszorns gegen ACTA in Polen.

Gab es seit den 80ern tatsächlich so wenig Gründe in Polen auf die Straße zu gehen?! Oder liegt es daran, dass wieder alle im Lande sind? Auf jeden Fall: Weiter so! Der sprichwörtliche Getriebesand aus Polen hat in der Vergangenheit ja schon zu den erstaunlichsten Ergebnissen geführt. 

Dienstag, 31. Januar 2012

Wunderschöne digitale Welt

Nach einem etwas übertrieben langen Subbotnik im Namen ehrenvoller Lohnarbeit melde ich mich nun zurück in den heiß vermissten Gefilden der Blogosphäre. Und wie könnte dies besser gelingen als mit einem entzückten Verweis auf das friedfertige und emsige Schaffen jener wundervoll durchgeknallten ASCIIvisten.

Und wer jetzt noch nicht genug hat von der hypnotisierenden Ästhetik blinkender, grüner Zeichen, dem sei hier noch die Einladung zur Nerd-Mimikry nachgeschoben. In diesem Sinne: Schön wieder hier zu sein!   

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Frohes Fest

Euch allen da draußen ein wunderfeines Weihnachtsfest. Ob in Familie, in Entspannung oder hemmungsloser Völlerei. Wir alle haben es uns verdient. In diesem Sinne – bis demnächst! 

braten

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Frisch gelesene Bücher: Die dritte Simulation

Erneut stürzte ich mich mit viel Vorfreude in eines der wenigen auf Deutsch erhältlichen Bücher von Robert J. Sawyer. Eben jener hatte mich bereits mit dem Buch “Flash” aus dem jene, leider viel zu früh abgesetzte Serie “Flash Forward” entstand, restlos begeistert. Das Thema welches in diesem Buch angegangen wird, mag auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich begeistern: Kanadische Wissenschaftler entdecken bei Untersuchungen des menschlichen Gehirns eine ominöse Energie, die nach dem Tod des Menschen diesen anscheinend verlässt. Der wissenschaftliche Beweis der Seele scheint erbracht.

sawyer

Dies klingt nicht wirklich prickelnd und man ist versucht derlei schnell in die pseudoreligiöse Ecke abzustellen. Doch Sawyer gelingt es, diese zweifellos bahnbrechende Entdeckung als Beginn einer Kaskade von hieraus folgenden Fragen aufzubauen, dass man nicht im Ansatz enttäuscht wird. Denn die Existenz einer Seele fordert die Frage heraus, was diese ausmacht, bzw. was wir ohne sie wären. Ab wann haben wir eine Seele und was folgt daraus undundund…

Sawyer bastelt hieraus einen überaus spannenden Thriller, der einmal mehr durch Exaktheit und Unaffektiertheit besticht. Wirklich zu schade, dass sich deutsche Verlage diesem Ausnahmeautor bislang nicht ausreichend angenommen haben. Nur noch ein weiteres Buch von ihm liegt in deutscher Übersetzung vor. Danach muss ich wohl oder übel mal ins Original eintauchen.

Reizender Punkt am Rande: Obwohl schon 1995 geschrieben, lautet der Titel des Papstes in diesem Buch in der Tat Benedikt XVI. Erstaunlicher Glückstreffer möchte ich meinen.