Mittwoch, 2. Dezember 2009

Frisch gelesene Bücher: Kinder der Nacht

Mit dem etwas reißerisch anmutenden Titel "Kinder der Nacht" wende ich mich erneut den Autoren der Empfehlungsspalte zu. Der Backstein namens "Terror" von Dan Simmons war schließlich für mich der zweite literarische Paukenschlag des Jahres. Dabei ist meine Beziehung zu den den Werken von Simmons schon früher entstanden. Erstmals fiel vor etlichen Jahren mein Blick auf einen Titel namens "Ilium", der mich spontan zugreifen ließ. Die knappen Informationen des Buchrückens ließen mich aufmerken. Und tatsächlich, die Geschichte, die sich um einen Historiker aus unserer Gegenwart, welcher sich auf den Schlachtfeldern von Troja wiederfand, entspann, gefiel mir sehr und führte unweigerlich zum Erwerb der daran anschließenden Fortsetzung (Olympos). Erst nach dem Genuss dieser zwei Bücher fiel mir auf, dass Simmons verantwortlich für eine erklecklich hohe Zahl an weiteren Büchern zeichnet. Anscheinend gelang Simmons aber eben erst mit der qualitativ hochwertig erscheinenden Herausgabe seiner Werke (darunter eben besagtes Doppelwerk) in Deutschland der Durchbruch. Daher griff ich todesmutig zu seinem Opus magnum, Den Hyperion-Gesängen, womit ich ehrlich gesagt nicht allzu glücklich wurde. Folgerichtig pausierte ich nach dieser Erfahrung kurz, nur um nach "Terror" umso begeisterter kommenden Lesefreuden entgegenzublicken. Soviel zur Vita meiner aufkeimenden Anhängerschaft. Da verwundert es sicher nicht sonderlich, dass ich zum Jahresausklang auf ein sichers Pferd setzte und ein weiteres Buch aus seiner Schaffenslawine erwählte.

Um es vorwegzunehmen - der absolute Knaller ist es nicht. Kein Fall für die Empfehlungsspalte, aber in jedem Fall ausgezeichnete Unterhaltung mit teilweise innovativen Neuinterpretationen von zunächst eher ausgelatscht wirkendenden literarischen Traditionen. Der Fürst der Finsternis, seines Zeichens ja nun wirklich aus allen Blickwinkeln abgeklopftes Phantasiegebilde, beschließt, dass es an der Zeit wäre, sich fortzupflanzen und zeugt im, just von Ceauşescu befreiten Rumänien einen Sohn. Dieser gerät auf schwer nachvollziehbaren Wegen in die Hände einer amerikanischen Ärztin und wird von dieser in die USA adoptiert. So weit, so gähn sollte man meinen. Doch abseits der üblichen Fallstricke, die das Genre eines mittelmäßigen Thrillers bietet, welcher zudem noch in Osteuropa spielt (und daher mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an irgendeiner Stelle hohnlächelnd aufstoßen lässt) bekommt man hier eine Geschichte geliefert, die doch zu überraschen weiß und dem überbordenden Fundus an Dracula-Interpretationen noch etwas Lesenswertes hinzufügt. Wer dem Thema an sich also nicht gänzlich abgeneigt ist und sich von Sätzen wie nachfolgenden nicht abschrecken oder einschläfern lässt, dem sei zu diesem Buch geraten.

"'...die Polymerase stellt eine einstrangige DNS-Kopie der Virus-RNS her, und dann eine zweite Kopie unter Benutzung der ersten Schablone. Ribonuklease eliminiert die ursprüngliche Virus-RNS. Dann wandert diese eingedrungene DNS in den Zellkern und wird unter dem Einfluss des viruseigenen Integraseenzyms in das Genom des Wirts integriert und verbleibt dort als Povirus.'

(...)' Egal, wir arbeiten unter der Voraussetzung, dass der J-Virus den Weg des geringsten Widerstands geht und gp120-Glykoprotein an CD4-Rezeptoren in T-Helferlymphozyten und LAngerhanszellen bindet.'"

Fazit: Ist ja an und für sich schon ausgesprochen. Bleibt mir nur noch diese letzten Zeilen zu nutzen um einer Herzensangelegenheit loszuwerden:

Hochgeschätzter Heyne-Verlag. Dan Simmons ist ein ganz Großer. Keine Frage. Aber bitte bringt doch mal ein anderes Prädikat auf die Buchrücken seiner deutschen Ausgaben als das ewige Lobhudelurteil von Stephen King. Dieses hab ich nämlich so langsam verinnerlicht. Etwas mehr Abwechslung schadet gelungener Vermarktung bisweilen nicht völlig!    


 

Montag, 30. November 2009

Suchtmaschinenblickwinkel


Es gehört zu den leichteren Übungen, die hyperaktive und omnipräsente Datenkrake Google mit verächtlichen Schmähungen zu überhäufen. Doch nachdem ich heute erstmals in Google Wave reinschnupperte, werde ich das tunlichst unterlassen. Dagegen möchte ich die geschätzte Aufmerksamkeit auf zwei Nettigkeiten richten, die in Anbetracht eines, von Google geprägten Lebens doch ein wenig Interesse auslösen sollten. So fand ich bspw. Mystery Google ganz nett. Hier erhält man, oh wie mysteriös, die Eingabe seines Vorgängers ausgespuckt. Das Orakel 2.0 schleuderte mir beim mutigen Selbstversuch ein zwielichtiges "What am I" und ein klares "things that are bad" ins Gesicht. Wem das jetzt nur bedingt erkenntniswertig erscheint, dem sei eine wundervolle Sammlung namens Autocomplete Me angeraten. Wer kennt den hilfreichen Geist nicht, welcher einem bei jeder Eingabe unter die Arme zu greifen versucht. Manchmal als relevante Arbeitsersparnis, manchmal aber auch als absolute "Hä!"-Attacke. In besagter Sammlung tauchen die schönsten dieser "Hä's" auf. Und so erfahren wir beruhigt, dass auf die Eingabe "Who wants a..." unter anderem "cheap rhinoceros" aufgelistet wird oder dass auf den Klassiker aller Frageanfänge (Why is...) tatsächlich zu dem alltäglichen Problem "...there a dead pakistani on my couch" führt. 

Freitag, 27. November 2009

Grüße aus der Vergangenheit


Es ist ja nun nicht ganz so, dass mich der November völlig im Griff hätte, aber die Knochen murren morgens schon immer unwilliger. Da scheint es einem doch wie der blanke Hohn wenn just in dieser Jahreszeit die Wanderbilder-CD herübergereicht wird. Wir erinnern uns: Polen, saftige Berge, pralle Vegetation, Freiheit und Lebenslust... Da heißt es Zähne zusammengebissen, Mund abgewischt und weiter geschlurft. Schließlich winkt Weihnachten und danach werden die Tage bekanntlich auch schon wieder länger! Dann ist es nur noch ein temporärer Katzensprung in die sommerlichen Berge! 

Mittwoch, 25. November 2009

Frisch gelesene Bücher: Das Schwert der Vorsehung

Die kundige Stammleserschaft wird angesichts neuerlicher Werke Sapkowskis aufmerken. Findet sich doch die, von ihm stammende Narrenturm-Trilogie, unter den wärmstens empfohlenen Büchern linkerhand. Diese versüßten mir den Beginn des Bücherjahrs 2009 und so ging ich mit hohen Erwartungen an eben jenes Buch. Besagtes Buch gehört zur zweiten Reihe Sapkowskis, der sogenannten Geralt-Saga. Bereits der erste Band hatte mir sehr zugesagt und auch "Das Schwert der Vorsehung" ließ mich keinesfalls enttäuscht zurück.

Selbstverständlich ist eine gewisse Neigung zum Genre Fantasy vonnöten, aber auch Büchern dieser Art eher distanziert gegenüber stehende Menschen, sollten hieran auf jeden Fall Geschmack finden können. Das Universum, welches Sapkowski hier erschafft, ist keineswegs eine sich über alle Maßen ernstnehmende Parallelwelt. Es ist eine historische Fiktion, die die Existenz von Magie ohne viel Federlesen akzeptiert, dabei jedoch auch das Hauptaugenmerk auf ihre bedrohte Existenz legt. Es ist mal wieder die emsige Menschheit, die unbeeindruckt und prosaisch als Totengräber von all dem wirkt, was ihrer Rationalität widerspricht. Auf diese Weise entsteht eine unsagbar feinfühlige Beschreibung einer Welt, die sich im Umbruch befindet. Mit viel Humor und Doppelsinnigkeit werden wir durch eine Welt geleitet, die die Grundlage unserer Mythen und Legenden werden soll. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Denn so erfährt man unter anderem die möglichen Grundlagen einer Reihe von Begebenheiten, die heute in bunten Kinderbüchern vor sich hin prangen.

Fazit: Wie bisher jedes Buch von Sapkowski - ein absoluter Lesegenuss. Der Mann ist für mich vielleicht DIE Entdeckung des Jahres.

Dienstag, 24. November 2009

Räucheräpfel


Es ist ja nicht so, dass ich gegenüber diesen aufgehübschten Apfeltaschen  je große Sympathie aufgebracht hätte. Vielmehr waren der affektiert vorgebrachte Besitz derselben für mich eher ein Anzeichen aufmerksamkeitsheischender Nonkonformität, die jedoch rasch im Orkus eines scheinheilig dahermenschelnden Kapitalismus' hinuntergespült wird. Doch die aktuellen Mitteilungen, aus der heilen Welt des Apfels ließen mich dennoch aufmerken. So wurden Reparaturwünsche von Kunden abschlägig beschieden. Soweit so himmelschreiend normal in der unsrigen Servicewelt. Begründet wurde es jedoch diesmal damit, dass der betreffende Rechner kontaminiert wäre. Wer jetzt verängstigt biolgische oder chemische Kampfstoffe vermutet, hat die Zeichen unserer Zeit eindeutig verkannt, handelte es sich doch um nichts Geringeres als die verteufelten Reste von Kumpel Tabak. Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Hysterie ist mittlerweile so weit hochgekocht, dass Rauchercomputer aufgrund unabsehbarer Gesundheitsrisiken nicht mehr angerührt werden. Da mögen wir noch pikiert die Augenbrauen hochziehen, der Dirigent aus Übersee wird schon dafür sorgen, dass dies auch bald bei uns zur Normalität wird. Und, ja, mir ist bewusst, dass alle anderen netten Konsortien, die sonst so dabei sind, hier natürlich händeklatschend mitmachen würden und werden.

(Photo: anti-apple.com)

Freitag, 20. November 2009

Dresdner Doppelpass

Und das ist einfach zu schön, um es für materialärmere Zeiten zu horten. Außerdem haben es ja derlei Blüten ja an sich, dass sie schnell und klammheimlich aus dem grell zeternden Licht der Öffentlichkeit gezetert werden. (Das Zitat für die Nachwelt: "Union-Stürmer Karim Benyamina wurde zwar in Dresden geboren, hat aber einen deutschen Pass.") Also riskiert einfach den Klick in den Hetz -und Schmutztümpel und genießt die kenntnisreiche Bildunterschrift zum abgebildeten Fußballgott. (via Bildblog)

Schweinekunst

Es tut mir leid, aber dieses Kunstwerk muss einfach jenem auserlesenem Bruchteil der Öffentlichkeit präsentiert werden, welcher sich als meine Leserschaft auszeichnet.

Einfach toll. Auch die übrigen Schöpfungen sind samt und sonders einen Blick wert. Ich für meinen Teil verabschiede mich jedenfalls mit reichlich Wasser im Mund ins Wochenende.

Mittwoch, 18. November 2009

Siegerposen


Na, das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder?! Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls um Berlin, sondern um eine doch reichlich bekannte Hauptstadt, welche allgemein bekannt sein sollte. Die Auflösung findet sich in den überragenden Fotos von Eric Lusito, die phänomenale Momentaufnahmen der zerbröckelnden Spuren eines Imperiums bieten.

Freitag, 13. November 2009

Verschlüsselter Höllenhund


Mal im Ernst: Vor was soll man mehr Angst haben?! Bloß gut, dass beide nur ausgedacht sind.

(Photo: utopia.duth.gr; wikipedia)

Mittwoch, 11. November 2009

Apokalypsenlücke

In Zeiten von Schweinegrippe und Wirtschaftskrise fragt sich der geschätzte Zeitgenosse bisweilen wie es eigentlich mit den Voraussagen hinsichtlich etwas rigoroserer Aufräumaktionen aussieht. Nach der Milleniumhysterie war es diesbezüglich ja doch erstaunlich still. Aber gegenwärtig rumort die Medienmaschine wieder mit großen Bohei. Mit Brian D'Amato und Richard Alten haben sich gleich zwei Romanciers daran gemacht, das Jahr 2012 möglichst pageturnend anzupreisen. Unzählige "Fachbücher" ereifern sich in bekannter kunterbunter Weise über das nahe, angeblich von den Mayas vorausgesagte Ende der Welt. 

Gestatten: Krieg, Tod, Hunger und Krankheit. Die allseits  anerkannten Protagonisten von  Weltuntergangrealisierungen. (Photo: wikipedia)

Es  müssen nicht allzu viel Worte darüber verloren werden, was von Weltuntergansgsprophezeihungen im allgemeinen und ihrer ursprünglichen Aussage im besonderen zu halten ist. Ich will daher gar nicht weiter darauf eingehen, was von einer Weltuntergangsprophezeihung zu halten ist, die von einer Kultur ausging, welchee ihren eigenen Untergang nicht voraussah oder zumindest sehr passiv darauf reagierte. Denn schließlich ist, wie so oft in dieser Branche, schlichtweg maßlos übertrieben und aufgebläht wurden. Für die Mayas ist der 21.12.2012 nichts anderes als für uns jesusaffine Zeitrechner der 31.12.1999. Alles andere ist lediglich der übliche unvermeidliche Esoterik-Rattenschwanz. Sonnenfleckenzyklus, Synchronisationsstrahlen,  Dimensionswechsel, die Kollission mit dem Weltenwanderer Nibiriu - alles erreicht selbstverständlich an diesem Tag seinen Höhepunkt. 

Diese Fülle an konkurrierenden Untergangsauslösern verwundert angesichts der gähnenden Leere, die nach diesem Datum zu beobachten ist. (Oder sollte gerade dies nachdenklich stimmen?) Die nächste Voraussage ist erst auf 2076 terminiert. Ich finde das äußerst ideenlos und uninspiriert. Also frisch ans Werk Esoteriker und Verschwörungstheoretiker! Ich warte.