Mittwoch, 18. März 2015

Frisch gelesene Bücher: Das Graveyard Buch

Ein kurzer Gang in die staubigen Archive dieses altehrwürdigen Blogs offenbarte, dass hier noch nie ein Buch des über alle Maßen geschätzten Neil Gaimans angesprochen wurde. Daraus folgt die deutlich erschreckendere Tatsache, dass ich seit nunmehr über sechs Jahren kein Buch mehr von ihm gelesen habe (Abgesehen von dem Feinsten was in der Welt der Comics, besser graphic novels, je geschaffen wurde - Sandman- hiervon gönne ich mir jedes Weihnachten ein Bändlein. Gleichermaßen entzückt wie besorgt, dass es irgendwann wohl mal ein Weihnachten ohne einen neuen Band geben wird.) So sei es hier vorangestellt, dass Neil Gaiman für mich zu der kleinen aber so kostbaren Gruppe an schöpferischen, noch lebenden Menschen gehört, die ich fanatisch verehre, da nahezu alles was von Ihnen kommt in mir eine Saite zum klingen bringt, die ich einfach gern höre.



In Neil Gaimans Fall hat er mein Herz mit Niemalsland im Sturm erobert, American Gods und Anansi Boys waren Bücher, die zeigten das hier keine Eintagsfliege am Werk war. Seither habe ich Gaiman im Auge und bin hungrig nach jedem neuen Wurf des Meisters. Bücher wie das "Graveyard Buch" gehören natürlich ganz klar in die Kategorie Jugendbuch. Aber da die Jugend ja nicht mehr liest muss ich das übernehmen und kann nur sagen: Schade, schade, da habt ihr was verpasst.

Ein witziges Büchlein, welches ohne Etikette und vorhersehbare Affektiertheit vor dem Gruselthema ein witziges Szenario entwirft in dem ein kleiner Junge auf einem Friedhof von Geistern und anderen Untoten aufgezogen wird. Der sich ankündigende Konflikt mit den Lebenden wie die gesamte Grundstimmung waren mir ein Hochgenuss und werden hier dem halben Dutzend lesender Teens da draußen wärmstens ans Herz gelegt. Natürlich dürft ihr gern auch ein paar Jährchen älter sein... 

 

Dienstag, 10. März 2015

Frisch gelesene Bücher: Das Handbuch für den Neustart der Welt

Fast mag es mit diesem Buch nun so erscheinen als ob ich nach dem vergangenen Jahr der Theorie des Weltuntergangs nun nahtlos zur aktiven Praxis des Danachs begebe. Ich habe dies zwar nicht bewusst vor, kann aber wie man unschwer vermuten wird, ein gewisses Interesse an dem Thema des Wiederaufbaus, somit des autarken Lebens, nicht leugnen.

Und so musste ich zwanghaft zugreifen als ich während eines legeren Treffens bei Dussmann dieses angenehm rot leuchtende Büchlein erblickte.



Auf so etwas hatte ich schon lange gewartet - nichts geringeres als der Versuch einer Zusammenfassung des menschlichen Wissens. Und dies handlich und kompakt. Selbstverständlich ist bei derlei Büchern natürlich immer die Angst mit an Bord, ein billig recherchierten Aufguss aus lustlosen Googeleien erworben zu haben. Selbst konzentriertes Durchblättern kann davor nicht schützen.

Nun, in diesem Falle war dem nicht so. Schließlich, und schon dies spricht für die Qualität des Buchs, geht es dem Autor nicht darum hier ein komplettes Weltwissen auszubreiten. Das solch eine Unterfangen schlichtweg unmöglich ist, sollte die erste Lektion sein, die jeder zukünftige Selbstversorger begriffen haben sollte. Was hier versucht wird ist eine Art Anleitung für Abkürzungen und Zivilisationssprünge wenn einmal alles weg sein sollte. So könnte der eine oder andere Schlenker beim nächsten Versuch vermieden werden. Außerdem versteht sich das Handbuch natürlich auch als Quelle der Inspiration für weitergehende Lektüre. Ich habe hiernach nun ein gutes Dutzend weiterer Bücher vor mir, die gelesen werden wollen. Und dabei werde ich bis auf weiteres sogar von der hier empfohlenen "Appropriate Technology Library" die Finger lassen.(1050 der wichtigsten Bücher für den Neuanfang für läppische 199 Dollar!)

Nein, dieses Buch hat tiefen Eindruck in mir hinterlassen. Ideen, Inspirationen zuhauf und eine ungestüme Lust zum Improvisieren und Dinge zu ermöglichen, die man sich vorher nicht vorstellen konnte. Ich empfehle dieses Buch einfach jedem. Allein deshalb weil man durch die Lektüre auch nebenbei bemerkt, welche Aufgaben beim Neuaufbau einen mehr als andere interessieren. In meinem Fall also ein klares Pro für Lebensmittelherstellung und -konservierung und ein klares Kontra für Textilherstellung. Ach, und dass Chemie irrsinnig wichtig ist war mir zwar klar, aber nach diesem Buch weiß ich, dass hier am massivsten nachgeholte werden muss. Als erstes Projekt in diesem Sinne strebe ich noch in Wochenfrist die eigene Seifenherstellung an.

Einzige Kritik geht an die Form der Veröffentlichung. Wenn wir uns mal vorstellen möchten, dass wir nach dem Weltenende durch die leeren Straßen schlendern. Was würden uns dann einen Ast freuen wenn wir ein solches Buch erblicken würden. Nur leider ist das stark unwahrscheinlich. denn der Pappdeckel und die Papierqualität sind derart, dass sie es selbst in der Zivilisation schwer haben werden. So ein Buch hätte man sich gern mit Kevlarbuchdeckeln und wachsbeschichteten Papier gewünscht. Oder zumindest als wasserdichtes Ebook. Aber das kann ja noch kommen...

Dienstag, 24. Februar 2015

Achtung, hochspannend!

Auch wenn meine laienhaften Stromerkenntnisse die Warnung arg bezweifeln und meine juristischen Grundkenntnisse derlei Arrangements eher für unwahrscheinlich halten - ich hab dann doch heute mal auf die Abkürzung über den Friedhof verzichtet. Man weiß ja nie...



Inzwischen hab ich recherchiert. Die Website die auf dem Flatterband ausgepriesen ist, gibt es nicht und sowieso. Bleibt die Frage, wer macht sowas. Und warum? Und wie kann ich mitmachen?!

Donnerstag, 19. Februar 2015

Frisch gelesene Bücher: Blues für Vollmond und Kojote

Seit langer, langer Zeit mal wieder ein Buch von Christopher Moore und nach einem guten Jahr endlich auch mal wieder etwas, währenddessen die Menschheit nicht aus dem einen oder anderen Grund mit Existenzproblemen zu kämpfen hat.

Christopher Moore wird mir ewig in bester Erinnerung bleiben aufgrund seines entzückenden Meisterwerks "Die Bibel nach Biff" Danach las ich angefixt von diesem Kanller immer mal wieder ein Büchlein von ihm. Schließlich veranlasst seine Ausstoßrate nicht gerade dazu sich Sorgen um Lesestoff zu machen. Und auch wenn der "Philadelphia Inquirer" laut Buchrücken behauptet, "Moore ist der legitime Nachfolger von Douglas Adams", bleibe ich hier in meinem Urteil eher etwas gelassener. Mit einem Moore hat man immer kurzweilige, ja, teilweise auch bizarre Geschichten- Ideen, die sogar richtig inspirierend sein können. Doch, so meckerig das jetzt daherkommen mag. So richtig perfekt und stimmig war es halt nur bei besagtem Knaller.



Und damit ist das Gelesene ja auch schon prächtig eingeführt. "Blues für Vollmond und Kojote" verfolgt mal wieder ein herrlich durchgeknalltes Sujet: Indianer und US-Imperialismus - ein Thema welches mich stets zu fesseln vermochte. In dieser Form wurde es mir aber bislang noch nie gereicht. Ich will an dieser Stelle wirklich nicht viel mehr verraten. Nur soviel: Es ist eines seiner besseren Werke und ermutigt weiterhin dazu, in regelmäßigen Abständen sich an den Moorschen Ergüssen zu delektieren.     

Mittwoch, 11. Februar 2015

Lokalfavorit

Die Weddinger Gastronomie - von jeher ein Synonym für Ausgleich und Harmonie. Beileibe nicht nur an dieser Stelle wird mit Selbstverständlichkeit umgesetzt was anderswo durch alberne Widersprüche und sonstige Affektiertheiten zum Scheitern verurteilt wäre. Hier kann sie noch gelebt werden, jene heilige Dreieinigkeit von Spiel, Vernetzung und Rauchgenuss. Da denkt man doch gern an die eigene Kindheit zurück!


Freitag, 6. Februar 2015

Konsole mio

Kann man so was noch Befehlszeile nennen? Liegen einem da nicht eher Begriffe wie Befehlssatz, Kommandokapitel, oder gar Terminator auf der Zunge?!

Sonntag, 1. Februar 2015

Tieffliegende Nadelbäume

Über den Reinlichkeitswahn des gemeinen Berliners wurde schon viel geschrieben. Dennoch möchte ich dieses Bilddokument den Betrachtungen noch hinzufügen.


Samstag, 31. Januar 2015

Winter

Ich weiß, du hast viel zu tun und bist gleich wieder weg. Find es aber trotzdem nett, dass du mal vorbeigeschneit bist.


Donnerstag, 29. Januar 2015

Frisch gelesene Bücher: Faceless

Das erste Buch des Jahres. Selbstverständlich ein Weihnachtsgeschenk und zwar eines der Kategorie: "Musst-du-unbedingt-lesen" ergänzt von dem unweigerlichen "binsogespanntwasdudavonhältst". Nun, Bücher dieser Sorte dürfen in einer aufgeklärten Leserattenbeziehung missfallen oder gefallen. Einzige Sorge, die bei mir hier stets mitschwingt ist die Furcht, dass ich es fad und vorhersehbar finde oder, was meines Erachtens der Todesstoß ist, wenn man es nicht versteht und sich nur aus freundschaftlichen Erwägungen durch den Stoff quält.



All dies ist hier definitiv nicht der Fall. Was es keineswegs leichter macht, etwas Erhellendes zu den zurückgelegten knapp 800 Seiten zu schreiben. Nähern wir uns daher dem Buch vorsichtig von der Seite. Nach einem Jahr des konzentrierten Genusses apokalyptischer Romane gehört dieses Buch hier keinesfalls in diese Schublade. Was wir hier vor uns haben ist ein astreiner Thriller. Wenngleich der rote Faden, welcher sich durch die Handlung zieht, durchaus Weltuntergangspotential hat. Aber das sollte wohl einen anständigen Thriller auch immer auszeichnen.

Technisch gesehen verneige ich mich tief vor dem Erstlingswerk des Autors, welcher zuvor "nur" durch Drehbücher wie bspw. Mad Max 2, Dead Calm und From Hell verantwortlich zeichnete. Die unfassbar dichte Handlung mehrerer Erzählstränge und einander bedingende Abläufe sowie die liebevoll und detailliert gestalteten Charaktere gehören zu dem besten was ich in diesem Genre seit längerem gelesen habe.

Kritisch wird es allein beim Inhalt. Sicher, wir befinden uns hier im us-amerikanischen Spiralarm des Verdauungs- und Verarbeitungsuniversums von 9/11, und vieles hier hebt sich wohltuend von Verallgemeinerungsgalopp des biblebelts ab. Man spürt, speziell im ersten Drittel deutlich das Bemühen um das Verstehen, wie all dieser Hass entstehen kann. Und so ist dieser Roman in seiner Tiefe dann doch ein zutiefst apokalyptischer. Da hier jenseits aller politischer oder moralischer Wertung offenbar wird, dass der Karren schon zu tief im Dreck ist. Der Zynismus der der tief in der menschlichen Gesellschaft verwurzelten Macht von Geheimdiensten, Mafia, Dogmatismus und Kapital innewohnt, waren in der Lage jedwede Grundlage für ein nettes Miteinander aller Erdenbewohner mehr als langfristig zu verhindern.

So stört mich, wenn ich das Buch in seiner Gesamtheit betrachte weniger die Vielzahl an kritikwürdigen Stellen, die 9/11 unnötig erhöhen und die Rolle der USA mehr als angebracht verherrlichen (DEN US-Präsidenten der hier beschrieben wird, bekommt ihr nicht und wenn ihr bis ans Ende aller Tage Weltmacht bleiben solltet!) sondern vielmehr war ich reichlich enttäuscht über den Knackpunkt jedes künstlerischen Werkes - dem Ende. Die James-Bondisierung der letzten 100 Seiten wird der Vorleistung in keiner Weise gerecht und zerstört vieles von dem zuvor aufgebauten. Dennoch, wenn Thriller, dann absolute Leseempfehlung!  

Dienstag, 13. Januar 2015

Schaufenstergeschichte

Selbstverständlich kann man auch tausende Lampions quer durch Berlin verteilen und sich dann an deren eher suboptimaler Leuchtkraft erfreuen. Man kann Mauerfall wie Wiedervereinigung aber auch mittels minimalistischer Installationen der Schaufenster Weddinger Ramschläden würdigen. Ein Stück Keramik namens DDR für 5,- im Schatten eines brüderlich vereinnahmenden "Deal-or-no-deal"-Quaders - kann man Geschichte besser vermitteln?! Ich denke kaum.



Ein Teller sagt halt mehr als 1000 Worte ...