Mittwoch, 30. Dezember 2009

Frisch gelesene Bücher: Spektrum

Bevor es am Ende noch unter den Tisch fallen könnte, sei eines vorweg gesagt: Die alte Ansicht, dass Russland weder zu Europa noch Asien gehöre, welche von mir in zahlreichen Streitgesprächen vertreten, um darauf von noch zahlreicher vertretenen Diskussionspartnern despektierlich beäugt und heruntergemacht zu werden, hat im diesmal besprochenen Buch den Status einer mehr als banalen Tatsache. Und so sehr ich dem Schreiber der hierzulande wohl eher durch seine Wächter-Filme bekannt ist, hierin zustimme, lassen solcherlei Aussagen auch oft auf eine etwas überhöhte Darstellung alles Russischen schließen. Diese Art der nationalen Voreingenommenheit wird bei Lukianenko von Buch zu Buch ausgeprägter. Fast scheint es als ob das aufkeimende, nationale Selbsbewusstsein des Autors parallel mit denen seines Landes wächst. Und dennoch sei er an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Wer sich für die gegenwärtig populären, russischen Autoren interessiert, wird an ihm nicht vorbeikommen. Was Akunin für den anspruchsvolle historische Roman und Pelewin für alle querdenkenden Leser ist, das ist Lukianenko in jedem Falle für die Genießer des fantastischen Sujets. Wobei anzumerken sei, dass er nach den Wächter-Romanen immer mehr auf Fantasyelemente verzichtet und sich zunehmend der Science-Fiction nähert.

Mit Spektrumhat der gebürtige Kasache ein vielfältiges und tiegreifendes Buch vorgelegt. Neben der ungemein anregenden und abwechslungsreich geschriebenen Haupthandlung um jenes, in naher Zukunft von Außerirdischen angebotene Teleportationssystem, welches die Erde mit etlichen anderen bewohnten Planeten verbindet (so überzeugend die Darstellung desselben auch daher kommt, insbesondere die Ein- und Ausreise im russischen Falle ließen mich sanft aufkichern. Nein, da hätte die Bürokratie mit Sicherheit andere Züge angenommen.), bekommt man leichterhand auch noch einige liebenswerte Darstellungen des russischen Lebens und genussvolle Ausführungen zu wahrlich gutem Essen serviert. Die tiefschürfenden und streckenweise sehr philosophischen Gedanken über einen guten Teil der alten Fragen, die die Handlung erfordert, stehen in ihrer Kompaktheit dem, was man von Lukianenko gewohnt ist in nichts nach. Auch das Ende, wenn auch ein wenig vorhersehbar, so jedoch nicht schnulzig und moralisierend, gefiel mir sehr.

Bliebe halt nur noch seine, eingangs schon erwähnte Voreingenommenheit zu bemängeln. Und dennoch macht gerade diese, mit Vorbehalten, auch den Charme und die Besonderheit seiner Bücher aus. Doch wenn der Hauptheld, welcher zum Schluss, auf einem fernen Planeten von schier übermächtigen Kräften bedroht, nichts anderes herauskeucht als "ein Russe ergibt sich nie", dann ist das nur bedingt komisch und steht in der Gefahr das Gesamte zu verzerren. Letztlich sollten auch eher politisch korrekt eingestellte Leserinnen vorgewarnt sein: Das Frauenbild Lukianenkos gehört eher zu den Traditionelleren. Aber auch in dieser Hinsicht steht er nach meiner Erfahrung nicht auf verlorenen Posten bei seinen Landsleuten und hat somit seinen Rang als Lichtgestalt der gegenwärtig populären russischen Literatur durchaus zurecht inne. Wer also den ein oder anderen Stolperstein in Kauf nimmt und den authentischen Mief russicher Populärliteratur antesten möchte, dem sei zu "Spektrum" oder Lukianenko an sich dringenst zugeraten.      
   

Dienstag, 29. Dezember 2009

Kadaverkunst


Da man zum Bloggen immer noch relativ fettfreie Finger braucht, erst jetzt eine kleine Impression* aus den gemeinsam verbrachten Tagen an der verantwortungsvollen Front der Geflügelvernichtung. Das nächste mal gerne auch wieder mit fließendem Wasser.

*Sollte Kritik an der Schärfe des Bildes aufkommen: es handelt sich hier nicht um fotgrafisches Dilletieren sondern um Arbeit unter extremst fettigen Bedingungen!  

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Im Frühfett zu Berge!

Kehren  wir zurück in beschaulichere Welten, in, dem Fleischgenuss zugewandte Phantasien. Der Mythos des Schlaraffenlandes faszinierte mich schon früh, wobei mich einzig der Umstand des Milchreisberges, welcher zuvor durchfressen werden müsse, ein wenig abturnte. Doch die Sache mit den umherfliegenden Brathähnchen und dem Genießen als größte Tugend gefielen und gefallen mir schon. Vielleicht sollte man daher den überfrachteten Mythos des "Landes der faulen Affen" einer, ein wenig realistischeren Blickweise unterwerfen und es sich eher vorstellen, wie in der untenstehenden Photographie abgebildet. Wäre in jedem Falle noch ein gewichtiger Grund für Ausflüge in die Natur.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Einstiegsdroge Fleisch

Angesichts der hier spontan ausgerufenen Themenwoche im Sinne fleischlicher Freuden, welche voller Ungeduld auf die kommenden Orgien des Verzehrs und Genusses hindeuten soll, ist es nur recht und billig auch die Gegenseite zu Wort kommen lassen.

Ja, nee, klar. Ist ja nicht die allerneueste Erkenntnis, dass es bei unseren körnerfressenden Freunden mit der Verhältnismäßigkeit bisweilen ein wenig hapert. Im übrigen können wir das selbstredend unter aufmerksamkeitsheischender Agitprop abbuchen. Aber dennoch...

Nunja, andererseits sind wir ja alle erwachsen!


Montag, 14. Dezember 2009

Wurstkoffer

Wer mich nur ein wenig kennt, weiß dass ich auch abseits des Trainingsmarathons zum weihnachtlichen Fressturnier unweigerlich diese Impression der Öffentlichkeit präsentiert hätte. Genießen wir daher still und ohne viel Gewese!

Nur noch einen kurzen Blick auf die Urheber von alldem: Ein Schaffner! Einmal mehr bin ich von den stringenten Gesetzmäßigkeiten des Kosmos' und dem perfiden Humor des Weltgeists überzeugt. 

Samstag, 12. Dezember 2009

Richtig dosiertes Hähnchen


Ich muss gestehen, dass ich anfangs skeptisch war, als Roman damals in Moskau dem Hähnchen eine Flasche Baltika "9" ins Hinterteil schob um das grotesk aufrecht stehende Ensemble sogleich in den Backofen zu schieben. Doch kurz drauf konnte mich, ob des unvorstellbar saftigen Gaumengenusses, keiner mehr davon abhalten, die unbestreitbaren Vorzüge eines Bierhähnchens zu preisen. Da nun in Bälde die alljährliche Völlereiolympiade ins Haus steht, ist es an der Zeit das Trainig aufzunehmen. Was läge da näher als in solcherlei kulinarischen Erinnerungen zu schwelgen. Die einzige Neuerung, auch als Hommage an den dekadenten Westen zu verstehen, ist, dass nun keine Flasche sondern eine Dose Holsten im Huhn steckt. In diesem Sinne - die Vorfreude wächst...    

Donnerstag, 10. Dezember 2009

In die Spree

Angesichts der gegenwärtigen Misere des selbsternannten Hauptstadtclubs kann und will ich mir als überzeugtem Unioner meine ungetrübte Häme und unverfälschte Gehässigkeit nicht von den üblichen moralisierenden und politisch korrekten Erwägungen verderben lassen. Daher in aller Offenheit ein erfrischend schallendes: HAHA!

Doch in Anbetracht solcherlei unrühmlicher Abgänge sind eher peinlich wirkende Kampagnen meist unvermeidlich. So eben auch jenes Plakat, welches mit vollen Rängen, überbordendender Stimmung und entfesselter Leidenschaft wirbt. Ich will das Ganze jetzt gar nicht deduktiv in Frage stellen (was man aber durchaus könnte!) sondern eher von der aktuellen Sachlage her nochmals zusammenfassen: HAHA!

Und dann auch noch gegen Leverkusen...   

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Frisch gelesene Bücher: Kinder der Nacht

Mit dem etwas reißerisch anmutenden Titel "Kinder der Nacht" wende ich mich erneut den Autoren der Empfehlungsspalte zu. Der Backstein namens "Terror" von Dan Simmons war schließlich für mich der zweite literarische Paukenschlag des Jahres. Dabei ist meine Beziehung zu den den Werken von Simmons schon früher entstanden. Erstmals fiel vor etlichen Jahren mein Blick auf einen Titel namens "Ilium", der mich spontan zugreifen ließ. Die knappen Informationen des Buchrückens ließen mich aufmerken. Und tatsächlich, die Geschichte, die sich um einen Historiker aus unserer Gegenwart, welcher sich auf den Schlachtfeldern von Troja wiederfand, entspann, gefiel mir sehr und führte unweigerlich zum Erwerb der daran anschließenden Fortsetzung (Olympos). Erst nach dem Genuss dieser zwei Bücher fiel mir auf, dass Simmons verantwortlich für eine erklecklich hohe Zahl an weiteren Büchern zeichnet. Anscheinend gelang Simmons aber eben erst mit der qualitativ hochwertig erscheinenden Herausgabe seiner Werke (darunter eben besagtes Doppelwerk) in Deutschland der Durchbruch. Daher griff ich todesmutig zu seinem Opus magnum, Den Hyperion-Gesängen, womit ich ehrlich gesagt nicht allzu glücklich wurde. Folgerichtig pausierte ich nach dieser Erfahrung kurz, nur um nach "Terror" umso begeisterter kommenden Lesefreuden entgegenzublicken. Soviel zur Vita meiner aufkeimenden Anhängerschaft. Da verwundert es sicher nicht sonderlich, dass ich zum Jahresausklang auf ein sichers Pferd setzte und ein weiteres Buch aus seiner Schaffenslawine erwählte.

Um es vorwegzunehmen - der absolute Knaller ist es nicht. Kein Fall für die Empfehlungsspalte, aber in jedem Fall ausgezeichnete Unterhaltung mit teilweise innovativen Neuinterpretationen von zunächst eher ausgelatscht wirkendenden literarischen Traditionen. Der Fürst der Finsternis, seines Zeichens ja nun wirklich aus allen Blickwinkeln abgeklopftes Phantasiegebilde, beschließt, dass es an der Zeit wäre, sich fortzupflanzen und zeugt im, just von Ceauşescu befreiten Rumänien einen Sohn. Dieser gerät auf schwer nachvollziehbaren Wegen in die Hände einer amerikanischen Ärztin und wird von dieser in die USA adoptiert. So weit, so gähn sollte man meinen. Doch abseits der üblichen Fallstricke, die das Genre eines mittelmäßigen Thrillers bietet, welcher zudem noch in Osteuropa spielt (und daher mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an irgendeiner Stelle hohnlächelnd aufstoßen lässt) bekommt man hier eine Geschichte geliefert, die doch zu überraschen weiß und dem überbordenden Fundus an Dracula-Interpretationen noch etwas Lesenswertes hinzufügt. Wer dem Thema an sich also nicht gänzlich abgeneigt ist und sich von Sätzen wie nachfolgenden nicht abschrecken oder einschläfern lässt, dem sei zu diesem Buch geraten.

"'...die Polymerase stellt eine einstrangige DNS-Kopie der Virus-RNS her, und dann eine zweite Kopie unter Benutzung der ersten Schablone. Ribonuklease eliminiert die ursprüngliche Virus-RNS. Dann wandert diese eingedrungene DNS in den Zellkern und wird unter dem Einfluss des viruseigenen Integraseenzyms in das Genom des Wirts integriert und verbleibt dort als Povirus.'

(...)' Egal, wir arbeiten unter der Voraussetzung, dass der J-Virus den Weg des geringsten Widerstands geht und gp120-Glykoprotein an CD4-Rezeptoren in T-Helferlymphozyten und LAngerhanszellen bindet.'"

Fazit: Ist ja an und für sich schon ausgesprochen. Bleibt mir nur noch diese letzten Zeilen zu nutzen um einer Herzensangelegenheit loszuwerden:

Hochgeschätzter Heyne-Verlag. Dan Simmons ist ein ganz Großer. Keine Frage. Aber bitte bringt doch mal ein anderes Prädikat auf die Buchrücken seiner deutschen Ausgaben als das ewige Lobhudelurteil von Stephen King. Dieses hab ich nämlich so langsam verinnerlicht. Etwas mehr Abwechslung schadet gelungener Vermarktung bisweilen nicht völlig!