Donnerstag, 28. Januar 2010

Antifrostschutzmittel

Da wir es ja nun schon seit geraumer Zeit ein wenig kühler haben und ich es immer noch nicht hinbekommen habe, mir eine Mütze zuzulegen, wanderte gestern mein Blick mit neu erwachter Anerkennung zu einem Turbanträger, der vor mir den Fußweg lang schlitterte. Abgesehen von selbstverständlicher Toleranz, die ich noch fast dem größten Quatsch, den andere Kulturen hervorbringen und mit Verweis auf eherne Traditionen als akzeptabel verkaufen wollen, fand ich Turbane ja dann doch immer eher albern oder zumindest als zu aufwändig für ein Alltagsaccessoire.

Keine Frage, solch eine Kreation hat mit Sicherheit einige Neben- und Folgewirkungen im Gepäck. Ein kalter Kopf steht jedoch nicht zu befürchten. (Photo: mrsikhnet.com)

Gestern jedoch sah ich die Stoffwickel in ganz neuem Licht. Voller Neid blickte ich auf den undurchdringlich fest zusammengebundenen Stoff um den Kopf des glücklichen Mannes. Kopf und Ohren schienen gegen jeglichen Unbill des Klimas geschützt. Ohren? Moment mal, waren die im Sommer auch über die Ohren gewickelt? Wenn das Ganze jetzt auch noch jahreszeitlich anpassbar war, stieg der Turban zwangsläufig nochmals in meiner Anerkennung. Doch so richtig sicher war ich mir dabei nicht. Recherchierend zog ich durchs Netz und fand eine grobe Aufteilung der verschiedenen Spielarten, welche offenbarte, dass es in der Tat ohrenfreie und ohrenbedeckte Modelle gibt. Bliebe halt nur noch die Frage ob die Ohrenfrage im Angesicht extremer Witterung verhandelbar ist oder ein totales Sakrileg sein sollte. Sprich: Darf der Sikh im August die Lauscher lüften oder der "Afghan men" im bitterkalten Januar den Stoff auch mal ein wenig tiefer falten?! Gibt es da Erfahrungen, Meinungen oder Regelwisser?

Mittwoch, 27. Januar 2010

Angriff der Datenkrake II

Es ist mal wieder soweit. Mitten in der klirrendsten Januarapathie muss ich erneut die Petitionstrommel rühren. Ich weiß, jene Petion, für welche ich vor einiger Zeit warb, wurde nicht allein deshalb die erfolgreichste Willenskundgebung dieser Art und erbrachte dennoch recht wenig. Nichtsdestotrotz fiel einiges an Öffentlichkeit für das Problem ab und daher wollen wir erneut die gesamte Medienmacht dieses kleinen Blogs in die Waagschale werfen um zum neuerlichen Petitionszeichnen aufrufen.

 (Photo und weiterführende Informationen von und bei werglaubtnochdiesesauce)

Diesmal geht es gegen ELENA. So sehr der eine oder andere mit diesem wunderschönen Namen auch angenehme Erinnerungen verbindet, als "elektronischer Entgeltnachweis" ist er alles andere als entzückend. Das ELENA-Verfahren soll ab 2012 alle Arbeitgeber in Deutschland verpflichten, umfangreiche Informationen, insbesondere krankheitsbedingte Fehlzeiten, Abmahnungen, Kündigungsgründe, Elternzeit sowie die Teilnahme an Streiks, aller angestellten Mitarbeiter an eine "Zentrale Speicherstelle" (ZSS) zu übermitteln. Abgesehen von der per se bestehenden Widerlichkeit eines solchen Ansinnens (sachliche Gründe wie emotionale Argumente gibt es zu Hauf), sollte jedes vernunftbegabte Wesen alles in seinen Kräften stehende tun um eine weitere teure, anlasslose und zudem gigantische Datensammlung auf Vorrat zu verhindern.

Also müht euch nochmal durch das verquere Gewirr der Online-Präsentation unserer geschätzten Legislative und gebt eure Stimme ab. Demokratie besteht auch zwischen den Wahlen. 

VORSICHT: Es existieren derzeit zwei Petitionen zu ELENA. Modifikation oder Aufhebung des Verfahrens. Ich denke, ihr wisst was da zu wählen ist!

Dienstag, 26. Januar 2010

Antike Fensterfunde

In Zeiten von durchgeknallt aufgehübschten und galaktisch schnellen Betriebssystemen mutet es unfassbar entspannend an in die bizarr weit entfernt liegenden Welten von Windows 3.1 einzutauchen. 

Dies wird möglich durch emsig bastelnde Männlein dort draußen in den Weiten des Netzes, welche jene zauberhafte Zeit, in der Windows tatsächlich noch Fenster waren, welche ein stämmiges DOS-Haus nur notdürftig verkleideten, wieder zurückholen in unsere übertaktete Wirklichkeit. Gönnt dies euren aufgepumpten Maschinen ruhig mal und blickt genüsslich durch diese knarrenden Fensterchen. Ist ja schließlich so lang her. Ganze 18 Jahre...

Donnerstag, 21. Januar 2010

Starwarisierung

Mal wieder 'ne nette Spielerei am grässlichen Morgen bei nerdcore gefunden. Auch wenn die Motive sich schon nach kurzer Zeit  wiederholen, kurz nach 8 bin ich da noch nicht so anspruchsvoll. Dementsprechend niveauvoll auch meine Ergebnisse.



Und, sicher, ich hab sonst nix zu tun...

Dienstag, 19. Januar 2010

Auf, Matrosen, ohe!

Der Januar matscht und gräuelt vor sich hin und Kollege Alltag routiniert schnöde herum. Da sucht der Geist nach Auswegen und spürt dankbar jeglichem Hoffnungsgelichter hinterher. Da ist das virtuelle Sprungbrett hin zu den sieben Weltmeeren genau das Richtige. Auf marinetraffic.com besteht die Möglichkeit bei der geduldigen Betrachtung der beharrlichen Fahrt eines beliebigen Kutters in meditative Gelassenheit zu verfallen und das, alle Sorgen heilende Fernweh sanft zu kitzeln.

Es braucht nur wenig um die salzige Brise auf den Lippen zu spüren, den grenzenlosen Horizont zu erahnen und das leichte Wanken des Wellengangs im tristen Bürostuhl nachzuempfinden. Überwachung kann also auch ihre seelentröstenden Seiten haben. Doch das nach Abenteuer lechzende Herz hätte noch gern so viel mehr Informationen: Welche Ladung transportiert der Kahn? Welchen Tabak raucht der Kapitän? Und wie oft ist das Deck heute schon geschrubbt wurden? Doch wozu hat man seine Phantasie schließlich?! Bestimmt nicht um sich Schneematsch und kahle Bäume schön zu denken!

Montag, 18. Januar 2010

Gebürtige Phantomschmerzen

Wenn es mir im realen Leben schon schwer fällt, so ist die Verschriftlichung einer unumstößlichen Tatsache für mich eine bedeutend unangenehmere Angelegenheit. Meine Geburtsstadt heißt Greifswald. Außer in der trockenen Welt der Antrags- und Formularausfüllerei sowie in der schon heikleren Umgebung sozialer Erstkontakte, welche unvermeidlich irgendwann zu einem Biographievergleich führt, gibt es wenig Momente in denen ich mich mit diesem widrigen Umstand auseinandersetzen muss, dass ich fischköppische Ursprünge habe. Und dann auch noch Greifswald. Jenes sauertöpfische Nest, welches wahrscheinlich sogar schon zu Hansezeiten sein Selbstverständnis auf unwillige Akzeptanz alles Nichtgreifswalderischen gründete. Seitdem ist nicht viel geschehen. Wie auch?! Weder die orientierungslosen sächsischen Bauarbeiterhorden, noch ZVS-Opfer oder die fünfte Garde einer ausgefledderten Westelite konnten diesem Kaff in irgendeiner Weise den nötigen Anstoß geben. 

Erfrischend und notwendig. Manchmal sind einfache Lösungen eben doch die besten! (Photo: wapedia.mobi)

Und so arrangierte ich mich mit dem ereignislosen Vegetieren jener stumpfsinnigen Kleinstadt, die zufällig mit meiner Geburt korrelierte. Doch es gibt Momente in denen dieser status quo gefährdet wird. Momente in denen Greifswald die überregionalen Schlagzeilen erreicht. Dies ist nicht gut, denn es ruft mir in Erinnerung welche miefige Rückständigkeit hier ihr zu Hause hat. Vielleicht das einzig Positive an Institutionen Greifswalds ist seine Universität. Wenn die älteste schwedische Uni nicht wäre, so wäre schon längst jegliche Lebenskraft am Bodden verschwunden. Hierin zumindest sind sich die meisten Greifswalder (jedenfalls die Zugezogenen) einig. Dass jene nun ihren Namen von Hermann Göring 1933 erhielt und ihn seitdem ohne Scheu trägt, mag auch nicht sonderlich hinter dem Ofen hervorlocken. Schließlich sind in Deutschland die widerlichsten Gestalten noch immer Namenspaten von bekannten Bildungsinstitutionen und der Heimatdichter und Lokalhistoriker Ernst-Moritz Arndt ist in dieser Reihe wohl eher ein gemäßigter Streiter für die nationale Sache ("...ihr Deutsche alle Mann für Mann, zum heil’gen Krieg zusammen!"). Auch seine Ausfälle gegenüber den "wimmelnden Polen, diese unreine Flut von Osten her" oder Bemerkungen gegenüber dem "frechen und wüsten Gelärm" der Juden sind in dieser Hinsicht eher die übliche Zeitgeistlosigkeit. Denn schließlich fanden sich auch Zitate von Arndt, die ihn nicht in die allerdösigste Ecke abstellten. Sonst hätte er wohl auch schwerlich die DDR-Zeiten überdauern können ("Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte").

Was stört und nervt ist viel mehr der Prozess der Entscheidungsfindung, welcher so eindringlich an die Behäbigkeit des Greifswalder Geistes gemahnt, dass mir speiübel wurde. Ein unmotivierter Würgreflex, welcher von einigen wenigen Aktivisten angetrieben, seit Jahren vor sich hin schwärt und nun endlich seinen unrühmlichen Abschluss in einer denkbar knappen Entscheidung für Arndt fand (181 Stimmen fehlten). Einzige reizvolle Randnotiz der Problematik ist die Überlieferung des Aktivisten, welcher sich im Arndt-Kostüm vor der Mensa postierte und Textausschnitte von Arndt rezitierte. Die folgenden antisemitischen, franzosenfeindlichen und deutschtümelnden Ausrufe führten schließlich dazu, dass Passanten umgehend die Polizei riefen. War es Verwirrung, Reflex oder einfach ein Hilferuf nach Schutz vor dem der es gewagt hatte, die geistige Grabesstille der ehrwürdigen Hansestadt zu stören.   

Und so wird alles bleiben wie es ist, komme was das kommen mag. Es bleibt allerhöchstens anzumerken, dass die bewussten 50 Jahre die der Weltuntergang in Mecklenburg später ankäme für Greifswald wohl heillos übertrieben wären. Und das nicht nur weil es gar nicht in Mecklenburg liegt.          

Freitag, 15. Januar 2010

Machtfrage

Hier ist mal wieder eines jener kleinen Filmchen, welches uns mit einfachsten Mitteln schwierigste Zusammenhänge vermitteln möchte. Mir gefällt's. Auch wenn es selbstverständlich irrsinnig verallgemeinernd und lückenhaft durch die Geschichte stolpert. 

Dienstag, 12. Januar 2010

Überfällige Warnungen


Allerorten wird gemahnt, angedroht und verboten. Die wirklich relevanten Hinweise fallen dabei meist unter den Tisch. Einige umtriebige Vorschläge, welche diesem Missstand furchtlos entgegentreten, finden sich auf rebelart.net. Danke hierfür! 

Montag, 11. Januar 2010

Der Januarhöhepunkt

Da ich ja nun schon seit geraumer Zeit als nimmermüder Öffentlichkeitsaktivist für unseren (von Berlin und vom Herzen aus) nächsten Nachbarn auftrete, ist es an der Zeit, dem wohl inoffiziellsten Feiertag Polens ein wenig Öffentlichkeit zu verschaffen. Zugegeben, rein vom Titel her macht besagte Party es einem nicht eben leicht. Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy ist nur bedingt in der Lage als geschmeidiger Zungenschmeichler durchzugehen. Daher habe ich, ganz entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten, hier jeglichen Übungseifer beseite gelegt und mich mit der gediegen über die Lippen kommenden Abkürzung WOŚP angefreundet. Zu deutsch kann das Ganze in etwa als "Großes Orchester der Weihnachtshilfe" übersetzt werden und macht als solches jetzt auch nicht unbedingt viel her. Klingt nach eher Musikantenstadl, Renterringelpietz und moralingetränkter Bodensatzunterhaltung. Weit gefehlt. 

Bei WOŚP handelt es sich um die größte nichtstaatliche Wohltätigkeitsorganisation in Polen, welche das ganze Jahr über zu einem bestimmten Zweck (meist medizinische Ausrüstung) Spenden sammelt. Die zwei Höhepunkte dieser Aktion sind dabei das, an jedem ersten oder zweiten Sonntag stattfindendende Finale dieses Spendenmarathons sowie das, als Dankeschön veranstaltete Gratis-Rockfestival "Prystanek Woodstock" Anfang August. Natürlich ist all das eine rein polnische Angelegenheit. Da es aber grundsätzlich überall auf der Welt Polen gibt, finden die Spendenfeste nicht nur zwischen Oder und Bug statt. Selbstverständlich richtet auch Berlin mit seiner zahlenstärksten Polonia in Deutschland solch' eine Party aus und so rückt eine kompakte Dosis Polen für ein paar Stunden in Neukölln ein.

Getreu der Tradition erhält man für jede Spende einen der ewiggleichen Aufkleber. Und wenn man davon die Schnauze voll hat, gibt es verschiede Wege dies auszudrücken. Dies ist eine davon! (Photo: qbk.blog.pl)

Wie sieht nun aber besagte Party aus? Wenig Vereinsmief oder steife Reden, vielmehr vermittelt es immer den Eindruck einer Geburtstagsfeier einer Größtfamilie für dessen Planung man vorher ungefähr 40 Minuten Zeit gehabt hatte. Alles singt, trinkt und ist beschwingt. Es laufen Konzerte langvermisster Jugendtage, Auktionen und noch jede Menge Spiel und Spaß. Schöne Sache das und ein perfekter Stimmungsaufheller im sonst so ereignisarmen Januar. Und nebenbei kommt jedes Mal eine gigantische Summe zusammen, die polnische Krankenhäuser dringend benötigen. Dieses Jahr übrigens 36.118.272 Złoty (€8.937.556). Wer also mal vorbeischauen will bei der Parallelgesellschaft von nebenan, dem sei ein Schnupperbesuch bei WOŚP herzlichst angeraten. 

Ach, und hochgeschätztes Bier aus den fernen Bergen: Wenn man derart massiv Werbung macht, ganze Nationalmannschaften stellt und noch im spelunkigsten Spätkauf Berlins zu haben ist, sollte man doch denken, dass wenn die größte Ansammlung von Polen anberaumt ist, genügend von dir vorrätig wäre. War aber nicht so. Nicht schön. Denk doch bitte das nächste Mal daran!


Freitag, 8. Januar 2010

Agitklame

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ergänzt man aber jenes noch zusätzlich durch einige kecke, aufstachelnde Worte, findet man sich schnell in der alles versprechenden Welt der Reklame, bzw. im noch mehr einfordernden Universum der Propaganda wieder. Dabei sind die Gemeinsamkeiten kommerziell motivierter Manipulationsversuche und staatlich gelenkter Uberzeugungsattaken nicht erst auf den zweiten Blick auffällig. Da mich diese Erkenntnis in irgendeiner weise ungemein entspannt klicke ich mich nun schon seit einigen Tagen nebenher durch die Ergüsse us-amerikanischer Werbekampagnen und sowjetischer Agitationsbemühungen. Die Fülle des Materials ist enorm, und auch wenn man manchmal gern ein etwas größeres Format hätte, ist Langeweile bis jetzt noch nicht aufgekommen.

Zumindest in Sachen weiblicher Idealtyp scheint es über den eisernen Vorhang hinweg gewisse Überschneidungen gegeben zu haben. Dem Kuscheln mit Nutzpflanzen weiß die Öffentlichkeitsmaschinerie des Arbeiter-und-Bauern-Paradieses jedoch einmal mehr entschieden Besseres entgegenzusetzen. 

Donnerstag, 7. Januar 2010

351mal werden wir noch wach...

...heißa, dann ist Weihnachtstach. Solcherlei bedingt aufheiternde Gedanken gingen mir durch sämtliche Geschmackszentren als ich heute mal wieder durch das, von mir sehr geschätzte Blog namens mettsalat spazierte. Ich bin hier durchaus desöfteren zu Gast und verabschiede mich nach intensivem Genuss der aktuellsten Ideen und Angebote meist hungriger, immer jedoch mit entschieden wässrigerem Mund. Kurz: eine gewisse Geschmacksgeschwisterschaft, an die ich nicht zu hoffen wagte, ist in diesem Falle unbestreitbar gegeben. So fiel ich heute Morgen aus allen Wolken als ich hier von "Weihnachtsplätzchen aus Hackfleisch" erfuhr. Verdammt! Aber eben auch eine verdammt gute Idee. Aber was soll's?! Schließlich liegt jetzt Schnee draußen und Besinnlichkeit krieg' ich zu jeder Jahreszeit hin. Also frisch ans Werk - Morgen, Kinder wird's was geben! Und dann zieh ich genauso wie ihr mit euren trockenen Zimt-und-Zucker-Kreationen durch die Gegend und will, dass ihr mindestens einen kostet...  

 

Dienstag, 5. Januar 2010

Tanzendes Essen

Keine Sorge, ich werde der Versuchung widerstehen, hier zum reinen Tierverzehrblog zu mutieren. Doch meine regelmäßige Durchsicht der bekannteren russischen Blogs ließ mich am längsten bei diesem kleinen Film hängenbleiben.

Schon imponierend. Und sowas nennt die Naturwissenschaft dann völlig unbeeindruckbar schlich "bedingte Reflexe".

Montag, 4. Januar 2010

Hochverehrte DB-Schaltermamsells!

Schon von jeher wart ihr mir ein beständiger Born des Unbehagens, inkompetent und dusselig wie ihr über die Jahre hinweg ein Spitzenprodukt Eisenbahn feilbotet, seid ihr in meinen Augen schon länger elementarer Bestandteil der großen Auto- und Flugzeuglobbyverschwörung, welche es zum Ziel hat, das Konzept der Schienstrangfortbewegung von innen heraus zu zersetzen und zu diskredititieren. So waren meine Ansprüche entsprechend niedrig als ich am frühen Morgen des ersten Tages von Zwanzigzehn in das verwaiste "Ticket Counter Office" hineinschwebte. Tatsächlich war es das erste Mal in meinem langen Bahnfahrerleben, dass nicht mal der Wurmfortsatz einer Schlange zu berücksichtigen war. 

Somit konnte ich mein unfassbar spontanes Ansinnen, dem hochgeschätzten Wrocław einen Kurzbesuch abzustatten, umgehend umsetzen. Dies sollte nach kurzer Verständigungsakrobatik auch gelingen ("ˈvrɔtswaf!"; "Hä?"; "Ähm... ja, Breslau bitte!"; "Ach, Wrotschlaw meinen Sie!") und nachdem ich die Zumutung des Preises hinuntergeschluckt, die so obliagtorisch wie unangebrachten Reklamekapriolen abwehrte ("Schon mal über 'ne Bahncard nachgedacht?") stand ich kurz vor dem Fahrscheinerwerb. Und da hallte jene Frage, ja nachgerade Aufforderung in den leeren Raum, die mich dann doch ein wenig verwirrte: "Sie wollen ja sicher eine Reservierung. Am Feiertag ist es doch immer sehr voll!" Ja, nee, klar. Ich blickte kurz ins Rund, schaute hinaus in die gähnende Leere der Bahnhofshalle. Ich überschlug diese realexistierende Menschenödnis mit dem gewohnten, an den Bedürfnissen der bestehenden Menschensströme akkurat vorbeiberechneten  Angebot eines (!) täglichen Zuges gen Wrocław mit seinen stattlichen vier Waggons und entschied mich dennoch für ein souveränes: "Nein, danke!", meinte jedoch: "Weiche von mir, du lernresistenter Service-Klon! Pack dich in deinen Kleinwagen und erstick im Stau, aber erzähl mir nix über Bahnfahren!"

Wenig später ging ich äußerlich erstaunlich gefasst zum Bahnsteig, wartete die übliche Verspätung ab (schließlich hatte es ein paar Zentimeter geschneit!) und stieg in einen völlig leeren Waggon um alsbald sanft vom Gleisgerüttel in den Schlaf geschaukelt zu werden. In diesem Sinne: Auch im im neuen Jahr - Der Kampf geht weiter gegen die Ursurpatoren der Schiene!

Photo (bzw. weiterführende Informationen) unter mikenagler.linkeblogs.de