Wenn sich die zwei bedeutendsten Völkerschaften Berlins zur Hochzeit treffen, nimmt man selbstverständlich einiges an Eindrücken mit. Auf jeden Fall ist man hiernach kräftig verohrwurmt. Und da ich diesen Zustand unbedingt mit euch teilen möchte, seid ihr herzlich aufgefordert, euch folgendem Musikgenuss hinzugeben.
Sonntag, 27. Februar 2011
Donnerstag, 24. Februar 2011
Feste verteidigen
Wenn der Februar unerträglich vor sich hin gräuelt und die beißende Kälte mit jedem Tag unpassender erscheint, vergisst man gern, dass andernorts dieser Winterenderschlaffung wirklich etwas entgegengesetzt wird. Weit jenseits der Oder feierte man gestern beispielsweise den “Tag des Verteidigers des Vaterlandes”.
Ein Feiertag, dessen Entstehungsursachen selbstverständlich unter einer tiefen Schneedecke, bestens alkoholisiert versteckt liegen. Fest steht lediglich eines: Dieser Tag wird gebraucht! Harmonisch eingefügt zwischen Neujahrsfest und Internationalen Frauentag bietet der Vaterlandsverteidigertag dem russischen Mann bis Jüngling den perfekten Anlass um sich mal so richtig gehen zu lassen. Mitten in der faden Ereignislosigkeit eines endlosen Winters steht dieser Tag als Moment alkoholischer Zügellosigkeit und exzessiver Alltagsverdrängung. Und wer will ihnen das schon vergönnen, diesen armen Irren, welchen entgegen jeglicher guter Ratschläge ihrer Ahnen Regionen besiedelten, die nun mal einfach nicht für einen solchen Zweck vorgesehen waren. In diesem Sinne einen verbundenen Gruß nach Osten, wünsche einen entspannten Kater und einen baldigen Frühling!
Montag, 21. Februar 2011
Frisch gelesene Bücher: Vorübergehend tot
Auf den ersten Blick mag der erste Band der Sookie-Stackhouse-Reihe an dieser Stelle, wo sonst nur auserlesener Lesestoff analysiert wird, völlig zurecht kritisch beäugt werden. Schließlich muss das vorliegende Buch, sowie höchstwahrscheinlich auch dessen zehn Fortsetzungen, unumwunden und ohne große Diskussionen in die reizenden Kategorie der Schund- und Schmutzliteratur eingeordnet werden.
Dies wird schon auf den ersten Seiten deutlich, auf denen wir der leicht dümmlich-naiven Ich-Perspektive eines unschuldigen Mädchens vom Lande folgen dürfen, welches sich rasch in einen Vampir verliebt und kurz danach, holterdiepolter so einiges an irre gefährlichen Sachen erlebt. Dabei bleibt immer wieder Zeit, ganze Absätze damit verstreichen zu lassen, wie sie sich für den Abend kleidet und welches Makeup wohl am angemessensten wäre. So gesehen könnte man also nach Vollendung der Lektüre das Buch unaufgeregt beiseite legen und die ganze Angelegenheit nicht weiter der Rede wert finden. Doch dabei kann ich es eben leider nicht bewenden lassen.
Aus zweierlei Gründen kann der Text an dieser Stelle noch nicht enden. Einerseits wegen der Weiterentwicklung des Vampirkonzepts, welche das kollektive Mythenkonstrukt der Gegenwart nicht unwesentlich ergänzt und andererseits aufgrund der feinen Selbstironie und den durchaus intelligenten Seitenblitzen, die das Büchlein dann doch entscheidend von wirklich dumpfer Schund- und Schmutzliteratur abgrenzt.
Ich muss hierbei vorwegnehmen, dass mich Vampire als Gedankenspiel schon von jeher interessierten, und zwar nicht nur weil sie ähnlich wie ich, aufgrund ihrer Ernährungsgewohnheiten im Zentrum der Kritik stehen. Vielmehr war ich fasziniert von der unverminderten Faszination die sie speziell mit dem Anbruch der Moderne auf die Menschen auszuüben in der Lage waren. Unsere Ahnen hatten im Laufe der Jahrtausende eine unüberschaubar große Anzahl an Fabelwesen und Mythengestalten erschaffen, doch kaum ein Wesen außer den Vampiren vermochte es derart präsent zu bleiben. Noch erstaunlicher erscheint in diesem Licht seine Wandlungsfähigkeit. Begann der Vampir einst seine Medienkarriere als herzloser Blutsauger, wiewohl ihn schon zu dieser Zeit stets eine gewisser Sexappeal und eine tragische Entstehungsgeschichte begleitete, entwickelte er sich mit der Zeit zu einem sensiblen, missverstandenen Individuum, welches ziellos durch die Nächte streift und anscheinend nur jemanden zum Ausquatschen braucht. Auch seine Fähigkeiten und Begrenzungen waren wechselhaft und austauschbar. Als allgemeiner Grundkonsens galt allenfalls, dass sie Tageslicht nicht vertragen und sich von Blut ernähren. Spezifikationen wie Flugkünste, Knoblauchallergie und Kruzifixunverträglichkeit und vieles mehr wurden wild gemixt, ergänzt oder weggelassen.
Im Zuge des gegenwärtigen Vampir-Hypes erblickt jedoch ein gänzlich neuer Vampir, im wahrsten Sinne des Worts, das Licht der Öffentlichkeit. Er ist kultiviert, tolerant und weltoffen. In den Ausprägungen der Bis(s)-Reihe kann er sogar bei Tage herumlaufen, kocht italienisch und beherrscht die Finessen der Political Correctness aus dem Effeff. Da bleibt kaum noch etwas vom alten Fürsten der Finsternis. Doch schließlich ist diese Veränderung des Vampirs nur konsequent. Der Unsterbliche steht mehr als jedes andere Lebewesen quasi in der Pflicht sich anzupassen. War es angebracht, im edlen Zwirn dandyhaft durch die Salons zu flattern, so entschied sich der Vampir für diese Rolle. Brachte es Vorteile, seine Leibeigenen ein wenig einzuschüchtern, so mimte man die gnadenlose Bestie, welche ganze Regionen in Atem hielt. Natürlich kann man die jüngsten Wandlungen des Vampirs bedauerlich finden, doch in diesem Falle steht man wohl auch anderen Entwicklungen unserer Zeit skeptisch gegenüber. Denn letztlich ist das Bild des Vampirs stets nur ein verzerrtes Abbild des aktuellen, kulturellen Kontexts.
Die Sookie-Stackhouse-Romane stellen in meinen Augen hierbei einen eleganten Mittelweg dar. Findet sich in ihnen doch einen gelungene Kreuzung aus aufgeklärtem Vampirindividualismus und Herzschmerzverkitschung. Die wesentliche Unterscheidung vom üblichen Vampirgenre findet sich schon zu Beginn und bleibt auch fortan Schlüsselelement der gesamten Reihe: Die Vampire treten an die Öffentlichkeit und fordern folgerichtig die ihnen zustehenden Minderheitenrechte. So sehr das nun wirklich wildeste Science-Fiction ist, denn wenn dies tatsächlich einträfe, wäre die Hysterie und Panik, speziell in den USA kaum vorstellbar. In Charlaine Harris’ Welt ist dem jedoch nicht so. Selbstverständlich gibt es Probleme und Irritationen, schließlich stellt der Umgang mit Vorurteilen und Intoleranz, neben Begehren, Leidenschaft und Sex, Sex, nochmals Sex, das Hauptthema der Romane dar. Doch die Interaktionen von Menschen mit Vampiren bleiben größtenteils erstaunlich rational und so bleibt Zeit für zahlreiche Nebenschauplätze und interessante Überlegungen zum Thema Vampirismus. Ob hier nun ungeklärte Detailfragen thematisiert oder die großen Sinnfragen der Menschheit angerührt werden, immer wieder wird man beim Lesen von originellen und unterhaltsamen Gedanken erhellt.
Schlussendlich will ich noch ein wenig über die deutsche Übersetzung meckern, da ich zum einen die Verwendung des Wörtchens bass im Zusammenhang mit Erstaunen ein wenig zu häufig vorfand und zum anderen zu oft über andere eher gewöhnungsbedürftige Konstruktionen torkelte. Natürlich kannte ich das Wort angelegentlich, doch eher als altmodisches Vehikel, welches in den meisten Sätzen reichlich unabgeholt rumstand. Und so irrttiert ein Satz wie “Andy musterte Sam angelegentlich” in einem solchen Roman ein wenig.
Schwierig fällt allein eine Empfehlung ob Bücher oder Serie, bzw. welches von beiden zuerst. Festzuhalten ist, dass die Serie keineswegs der Chronologie der Bücher folgt und natürlich viel weggelassen und verkürzt wird. Andererseits ist die Serie in meinen Augen auf jeden Fall zu empfehlen. Auch wenn sie bisweilen gewisse Unerträglichkeiten aufbietet, so ist sie dennoch eine gelungener Wurf, was man unter Alan Ball (Six Feet Under, American Beauty etc.) ja auch kaum anders erwarten konnte.
Fazit: Für Sympathisanten des gepflegten Blutrauschs und anderer fabelhafter Angelegenheiten in diesem Zusammenhang eine überaus empfehlenswerte Reihe. Schnelle Kost, die dennoch nicht selten aufmerken lässt und in jedem Fall unterhaltsam ist. Wer solcherlei Büchern jedoch beim besten Willen nichts abgewinnen kann, dem sei unverdrossen zur Serie geraten. Auch wenn es nicht jedem sein Geschmack sein dürfte und sich desweiteren zahlreiche Ansätze zur Kritik bieten, so stehen beste HBO-Qualität und der us-amerikanische Meister des differenzierten Sittengemäldes doch als Prädikate für sich.
Sonntag, 20. Februar 2011
Länderinstallation
Es gibt ja manchmal so Momente, in denen einen diese sture, meinungslose Maschine namens Computer zum Schmunzeln anregt. Einen dieser flüchtigen Momente konnte ich unlängst genießen, als ich die untätigen Momente meines unablässig rechnenden Freundes mit einem Bildschirmschoner dekorieren wollte. Meine Wahl fiel hierbei auf die Kollektion der Eisenbahnromantiker des SWR. Als ich nun die Installation startete sah ich folgende unschuldige Frage:
Aber natürlich möchte ich das. Wenn es die Slowakei nicht schon geben würde, wäre ich einer der ersten der sie erfinden würde. Welche eine Welt wäre das, ohne dieses liebenswerte, kleine Bergland. Aber dennoch eine schöne Sache für all die kleinen Hobbydiktatoren und Schreibtischpotentaten da draußen. Mit einem Mausklick ist man in der Lage ganze Staaten zu erschaffen oder ihnen rigoros die Daseinsberechtigung zu entziehen. Wessen Machtgier nach mehr verlangt, der kann sich mit ein paar Handbewegungen leicht neuen Stoff besorgen. Auf selbiger Seite kann man nämlich problemlos über das Wohl und Wehe von so bedeutenden Ländern wie Schweden, Tschechien oder auch die USA gebieten.
Donnerstag, 17. Februar 2011
Sputnik auf Rädern
mit einer Nürnberger Hochschule zu nachfolgender NIVA-Verherrlichung überrascht dann doch ein wenig.
Nichtsdestotrotz eine nette Idee. Auch angesichts der vor sich hin stümpernden NASA wäre ein NIVA als Shuttleersatz vielleicht eine Überlegung wert.
Nur eine Frage habe ich noch, liebe Werbetreibende, PR-Experten und Imagedesigner: Warum, in drei teufels namen, müsst ihr immer wenn ihr das Anleihen von Russland nehmt, die Buchstaben völlig sinnentleert verdrehen und verhunzen? Meint ihr nicht, dass die guten, alten Kyrillizas den gemeinen Mitteleuropäer an sich schon ausreichend verwirren?! Denkt ihr auch eine Sekunde an den Bruchteil der Russischkundigen in eurer anvisierten Zielgruppe und deren berechtigte Verständnislosigkeit!? Was soll das also?!! Seid so nett und lasst ab sofort den Quatsch!
Mittwoch, 9. Februar 2011
Fleischdurst
Zwar ist hierüber schon blogab, blogauf berichtet wurden. Doch niemanden ist dieses Thema so wichtig wie mir. Eine kurze Analyse erbrachte zwar die Erkenntnis, dass auch in diesem Getränk Zucker zu finden wäre, aber was soll’s. Solange man es nicht herausschmeckt. Und, apropos schmecken, welch ungeahnte Geschmackswiesen wären da abzugrasen. Die Bezeichnung Meat Water ist dabei mehr als ein zartes Understatement. Welch ein Desaster?! Erst gibt es jahrelang keinerlei Alternative und dann muss der frei Markt gleich atemlos einen mit unzähligen Möglichkeiten erschlagen! Den Klassiker “Beef Jerky”, auf den die meisten Kunden schwören? Oder doch “Hungarian Gulash”? Obwohl ich mir das als zu paprikanisch vorstelle. “Texas BBQ” übt auch enorme Anziehungskräfte aus, wogegen “Wiener Schnitzel” für mich nicht hätte erschaffen werden müssen. Unbedingt probieren würde ich aber “Königsberger Klopse”, “Gyros”, “Currywurst” und, ach was “Taco Chorizo”.
Kritisch anzumerken bleibt allein das Fehlen von Geschmacksvariationen für den Fleischpuristen. "Hackepeter", "Tatar" oder die heilige Welt der Innereien bleiben gänzlich ausgespart. Möglicherweise sind die ja noch in Planung. Für den Fall würde ich unbedingt ein Fläschlein mit Flakigeschmack anmelden.
Stellen sich nur zwei letzte Fragen: Wo krieg ich den Stoff her und was, verflucht nochmal, isst man dazu?
Dienstag, 8. Februar 2011
Frisch gelesene Bücher: Unten am Fluss
So ist es wohl nicht sonderlich überraschend, dass ich eher früher als später in die Welt der Kaninchen entfleuchte. Und auch wenn es mich nicht gänzlich vom Hocker riss, so war es dennoch keine Enttäuschung und steht auch völlig zurecht in der Liste LOSTiger Bücher. Was hier beschrieben wird ist ganz dem zentralen Thema LOSTs verpflichtet. Eine zusammengewürfelte Gruppe orientierungsloser Individuen auf der Suche nach Sicherheit und Glück. Da spielt es eine eher untergeordnete Rolle ob es sich um Kaninchen oder Bisamratten handelt.
Die ewigen Fragen von Dominanz und Unterwerfung, von rationalem Handeln oder instinktiven Entscheidungen, welche eine willkürlich entstandenen Gruppe auszeichnen, werden hier meisterhaft dargestellt. Dies alles gewinnt natürlich durch die ungewohnte Nagerperspektive noch zusätzlich an Reiz und ist daher ein durchaus empfehlenswertes Lesevergnügen.
Fazit: Freunde von LOST sollten unbedingt die Lesebrille zücken und sich mit einem sanften Meeresrauschen im Ohr ans Lesen machen. Doch auch alle anderen, die irrfahrtigen Gruppendynamikerlebnissen in der Literatur nicht abgeneigt sind, sei diese Buch wärmstens empfohlen.






