Donnerstag, 26. April 2012
Faszination Russland
Montag, 23. April 2012
Frisch gelesene Bücher: Singularität
Ich will es frei heraus sagen: Bei der Beurteilung dieses Buchs bin ich mir immer noch nicht ganz sicher. Wie ich auf Charles Stross stieß, weiß ich auch nicht mehr recht. Irgendwer, dessen Buchgeschmack vertrauenswert ist, brachte mich auf ihn, so dass ich alsbald mal ein Buch von ihm probierte. Allein, ich weiß nicht ob ich das Gelesene gut finde oder eher nicht.
Ist es das, was man gemeinhin unter einer “Space Opera” versteht? Oder, ohne dieses Genre zu verunglimpfen, ist es doch ein wenig mehr? Geschichte wie Spannungsaufbau behagten mir sehr. Doch irgendwie hatte ich zwischendrin oftmals das Gefühl, dass der Autor die originäre Welt zugunsten verquaster, mir teilweise schwer verständlicher Detailfragen, liegenließ. Auch waren einige Charaktere bisweilen recht lieblos gestaltet. Andererseits wollte ich es stets weiterlesen, denn die Welt, welche Stross hier schuf, ist in ihrer Kreativität und Wirkkraft herrlich dreist und lässt einen nicht so leicht mehr los.
Fazit: Nunja, angesichts meiner einleitendenden Worte sollte klar sein, dass hier keine klare Leseempfehlung stehen kann. Ich wäre aber sehr an den Meinungen anderer SF-Fans, so sie dieses Buch gelesen haben sollten, interessiert.
Donnerstag, 19. April 2012
Turniereinladung
Keine Frage, dass dieses Jahr jenseits der Oder ein kleiner Fußballwettstreit stattfinden wird, dürften wir alle auf dem Schirm haben. Doch eine solche nette Einladung, ja nachgerade Nötigung zur Polenvisite hat mich dann doch überrascht. Leider ist selbige auf polnisch, was ja hierzulande nicht ganz so sitzen mag. Glücklicherweise gibt es aber russische Untertitel.
Irgendwie doch auch liebenswert, dass so etwas von den anderen Nachbarn so eifrig aufgegriffen, übersetzt und verbreitet wird…
Freitag, 13. April 2012
Frisch abgebrochene Bücher: Die Glasbücher der Traumfresser
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf legte ich das "Glasbuch der Traumfresser" schließlich entnervt zur Seite. Und das obwohl ich von den knapp 1000 Seiten schon gut zwei Drittel geschafft hatte. Dabei ließ sich im Vorfeld alles gut an. Neben dem überaus ansprechenden Cover reizte auch das Sujet. Doch der Schein kann eben bisweilen auch trügen. Endlose, verwirrende Verfolgungsjagden, langatmige Beschreibungen von Banalitäten - und all dies kreist um ein eher vorhersehbares Mysterium. Zudem wirkte alles auf mich irgendwie bekannt und ausstauschbar. Über hunderte von Seiten gab ich der Geschichte eine Chance, hoffte auf den zündenden Funken, Schwung oder sonstwas, aber als ich spürte wie ich mich zum Lesen zwingen musste, gab ich auf. Zu dieser bemitleidenswerten Gattung von Menschen, welche Lesen als lästigen Zwang begreifen, möchte ich in diesem Leben nicht gehören.
Fazit: Aus meiner Sicht nicht empfehlenswert, wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass dieses Buch dem einen oder anderen gefallen könnte.
Sonntag, 8. April 2012
Frohe Ostern!
Wer partout nix gefunden hat heute, dem steht immer noch das Internet zur Verfügung. Hier hat unsere geliebte, alte Datenkrake einen Trostpreis versteckt, den nun wirklich jeder finden kann. Einzige Bedingung ist es, die korrekte mathematische Formel eines Ostereis zu kennen und einen modernen Webbrowser zu benutzen (sprich, mit WebGL-Unterstützung). Die Formel sei euch hiermit spendiert:
1.2+(sqrt(1-(sqrt(x^2+y^2))^2) + 1 - x^2-y^2) * (sin (10 * (x*3+y/5+7))+1/4) from -1.6 to 1.6
Wer sich nicht trennen will von seinem Internetbetrachtungsprogramm, dem sei hier ein Bild präsentiert.
Und dabei dreht es sich auch noch so beruhigend…
Freitag, 6. April 2012
Erlesene Reisen
Nach einigen Tagen des Verdauens von Eindrücken in hyperboräischen Gefilden möchte ich nun doch kurz Kunde geben von zwei heiteren Wochen in Sizilien. Neben zwei Reisebegleitern aus Fleisch und Blut hatte ich dank digitaler Auswahllosigkeit auch zwei Literaten mit im Gepäck, welche ohne Unterlass die lange Reise mit ausschweifenden Kommentaren versahen. Die Rede ist von Johann Gottfried Seume (“Spaziergang nach Syrakus”) und Johann Wolfgang von Goethe (“Italienische Reise”).
Nachträglich möchte ich mich zunächst bei allen vieren bedanken. Es war mir in jeder Hinsicht ein Fest. Schon immer hatte ich auf meinen zuvor begangenen Italienreisen vorgehabt, mit den Aufzeichnungen aus einer anderen Zeit auf den gleichen Wegen zu wandeln, Parallelen zu entdecken, Beobachtungen zu teilen. Da wir im Gegensatz zur großen Masse des gegenwärtigen Touristenschwarms auf das Flugzeug verzichteten, hatten wir auch die Möglichkeit einer vergleichbaren, langsamen Annäherung an das Ziel und die daraus folgenden Beobachtungen. Sicher der Zug ist gegenüber Schusters Rappen (Seume) oder der Kutsche (von Goethe) immer noch ein rasantes Fortbewegungsmittel, aber dennoch. Außerdem ist unser mageres Päckchen an Zeit, welches wir Arkadien opfern konnten natürlich nachgerade erbärmlich gegenüber den zeitlichen Möglichkeiten der Herren Humanisten vergangener Jahrhunderte.
So mag das misanthropische Geknurre Seumes angesichts unsäglicher Zustände in irgendeiner böhmischen Schänke durchaus seine Parallele mit unseren Mienen angesichts der ersten Station unserer Reise auf die verheißungsvolle Insel gehabt haben – Elsterwerda! Dabei kann festgehalten werden, dass mich die Aufzeichnungen Seumes weitaus mehr amüsiert haben. Die miesepetrigen, auf höchstem Niveau krittelnden Bemerkungen des unbeirrt gen Syrakus wandernden Sachsen erheiterten mich deutlich mehr als die ausführlichen Erörterungen des Dichterfürsten. Gleichsam waren die Notizen Goethes unvergleichbar detaillierter und gaben über manch Umstand mehr her als die flüchtigen Beobachtungen des schnell weiter wandernden Seume.
Der Italienreisende in Pose. Unsere Kopfbekleidungen waren zweifellos nicht ganz so schick. Ansonsten fiel der Dichterfürst in der Reisegruppe kaum auf.
Jenseits der Alpen wurden beide Herren jedoch entschieden gesprächiger. Die bis heute ungebrochene Italiensehnsucht des Bildungsbürgertums muss zu dieser Zeit noch deutlich exklusiver gewesen sein. Gemälde, Skulpturen, sagenumwobene Gebäude waren zumeist nur aus Beschreibungen bekannt und konnten hier leibhaftig bestaunt werden; Südfrüchte verschiedenster Coleur waren für den Hessen wie den Sachsen ein teures wie seltenes Gewächshausgut – hier wuchs es an jeder Straßenecke; und zu guterletzt Licht, Klima, Atmosphäre! Ein Land zum Aufatmen und Abstreifen aller Bedrückungen der Schlechtwetterkleinstaaterei Deutschlands.
Auch wenn ich mittlerweile Kopien der Alten Meister jederzeit mühelos betrachten kann (reizender Surftipp zum Thema!), Südfrüchte seit der Großen Revolution zum Alltag gehören und auch eine Dosis Sonne zwischendurch mittlerweile nicht mehr übermäßig schwer zu erringen ist – die ersten Stunden Italien ergreifen auch mich immer wieder aufs Neue. Hier waren wir alle vier vereint in schwelgendem Genuss. Der Rest der Reise verlief dann recht unterschiedlich. Während Goethe selbstverständlich erstmal ein paar Monate in der “Hauptstadt der Welt” hängenblieb, nahm Seume ab Neapel die Fähre. Wir fuhren dagegen den ganzen Stiefel ab und erblickten bald - die Morgensonne im Rücken - Sizilien!
Im Gegensatz zu Festlanditalien gestaltete sich unser Blick hier sehr verschieden. Das Sizilien des frühen 19. Jahrhunderts muss den Kritiken Seumes und Goethes nach, über alle Maßen rückständig und gefährlich gewesen sein. Heute ist es allenfalls und nur bedingt ersteres. Ständig musste ich nun bei meinen beiden Herren von Müllproblemen, grassierenden Aberglauben, primitiver Küche, ja Lebensmittelknappheiten lesen. Andauernd gab es Sorgen mit den Lohnbediensteten und Maultieren. Zur Krönung resignierte Goethe erschöpft als er sah, dass das Reisefässchen Wein kommentarlos mit Wasser gemischt wurde.
Dem Frühling entgegen, ihr Wanderfreunde all! Es gibt ihn, Wald auf Sizilien. Und wenn dann sogar so artenreich wie nirgends!
Meine Diagnose fiel hier entschieden positiver aus. Exzellentes Essen; freundliche aber unaufdringliche Menschen; abseits der Küsten wildes, freies Land, welches vor Fruchtbarkeit strotzt; immer wieder Blicke und Perspektiven, die die Seele durchpusten; akzeptable Lebenshaltungskosten und zu guter Letzt: das hundefreundlichste Land durch das ich je mit einem Hund die Ehre hatte zu reisen.
Fazit: Beide Bücher sind zweifellos zu empfehlen, bieten sie doch originäre Einblicke hinsichtlich Italien und der Perspektive der Epoche auf jenes Land. Der Spaßfaktor ist jedoch um einiges gesteigert wenn es vor Ort, bestenfalls auf der Originalstrecke gelesen wird. Sizilien als Reiseziel sei hier über den stillstehenden Lorbeer gelobt. Wer sich gestresst, ausgebrannt oder sonstwie negativ gestimmt fühlt und hier keine Veränderung verspürt, für den dürfte es wahrscheinlich eh zu spät sein.









